Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Verschiedene Theorien über das Wesen der Seele bei einigen arabisch-jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 389 (sequence 3)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 389 Seelen vor ihrer Mission aus Erden einen eignen Himmel an (Ehagiga 12b). — Als Bürgerin einer überirdischen Welt, bringt sie dem Körper aus ihrer Heimath eine gewisse Mitgift von Begriffen und Kenntnissen mit, deren ursprüngliche Klarheit jedoch beim Eintritt in die Schöpfung getrübt wird (Nidda 310), eine Ansicht, in der man auf den ersten Blick t>tc. angeborenen Ideen Plato's erkennt, wie schon Mendelssohn in seiner Preisschrist ״über die Evidenz in metaphysischinWifsenschasten" darauf hingewiesen. — Was die Unsterblichkeitslehre Nex Mabbinen betrifft, so genüge hier die bekannte schöne Sentenz: ״Diese Welt gleicht einer Vorhalle zu der künftigen Welt; bereite dich vor in der Vorhalle, damit du eingehest in das innerste Gemach". — (Abot 4, 16. vergl. Moed kat. 9b). — Die Unkörperlichkeit des Menschengeistes, so wie die in der heiligen Schrift ausgesprochene Ebenbildlichkeit mit Gott, -war .bei den Lehrern des Talmuds so sehr stehender Gedanke geworden, daß dadurch die trefflichsten Bilder und Parabeln entstanden (v. Berach. 10a); und die selbst noch in neuern Schulen mehrfach angeregte Frage über den Sitz der Seele war ihrer Lehre zufolge eine .ganz bedeutungslose. So wenig man fragen kann: Wo hat Gott seinen Sitz, eben so wenig hat diese Frage in Bezug auf die Seele einen vernünftigen Sinn. Sehr bezeichnend ist in dieser Beziehung folgende Stelle (Midrasch Schocher tob zu Ps. 103)': מעשה באדם אחר שאמר לו לר' גמליאל באיזו מקום הקב״ה נתון. אמר לו שאלו! ממני דבר שהוא רחוק ממני ה׳ מאוח שנה הרני שואלך דבר שהוא נתון אצלך יום ולילה, ומהו, ודז הנפש אמור לי באי זה מקום היא ובו'..... — Obschon die Lehre von der Präexistenz gewöhnlich mit der Lehre von der Seelenwanderung Hand in Hand ging (wie z. B. bei Pythagoras und Plato), so ist doch ln dem ganzen großen, unermeßlichen Gebiete des Talmuds keine einzige Stelle nachzuweisen, die von der Metempsychose Erwähnung thäte. Nur Unkenntniß und eine seichte oberflächliche Kritik, die ihre selbstgeschaffenen, durch nichts begründeten Muthmaßungen als apodiktische Gewißheit hinstellt, vermochte den Lehrern des Talmuds eine Doktrin aufzubürden, zu der diese niemals sich bekannt haben. So z. B. schreibt die in Hunderttausenden Exemplaren verbreitete allgemeine deutsche Real-Enchklopädie von Brockhaus (Artikel Seelenwanderung) Folgendes über dieses Thema: ״Die Rabbinen malten die Lehre von der Seelenwanderung in der ihnen eigenen seltsamen Manier aus, indem sie annahmen, Gott habe nur eine bestimmte Anzahl Judenseelen (!) geschaffen, die daher immer wiederkämen, so lange es Juden gebe, bisweilen auch zur Bußübung in Thierkörper