Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Verschiedene Theorien über das Wesen der Seele bei einigen arabisch-jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 388 (sequence 2)
- Language
- German
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388 Wissenschaftliche Äuffätze. nichts als eine Leere übrig, der l'loße logische Inbegriff, der weiter nichts als die Zusammenfassung aller jener Accidenzen im Bewußtsein bedeutet'(bei den Kantianern ״die Function der Synthesis" genannt)? — — Diese Frage, mannigfach formulirt, wird noch immer in den Schulen erhoben, ohne daß ihr bis jetzt eine entschiedene Antwort und Lösung zu Theil geworden wäre; und zwar׳ ist dieselbe in neuerer Zeit nicht nur Gegenstand der Philosophie geblieben, sondern auch auf das Gebiet der Naturwiffenschasten hinübergezögen worden. Die Frage über das Urwesen der Seele ist in jüngster Zeit mit großer Heftigkeit unter den Naturforschern aufgetaucht. Und dürfte es, Angesichts des neu erwachten und aus den systematischen Werken in Broschüren und selbst in die Tagespresse (z. B. die Augsburger allgemeine Zeitung) hinübergespielten Streites, nicht unzweckmäßig sein, die alten Seelentheorien aus der fruchtbaren arabisch-jüdischen Periode hier einmal die Revue paffiren zu lassen. Die Seele, das transscendentale Ich, das geheimnißvolle Princip des geistigen Lebens in uns, dieses große und jeden denkenden Menschen so sehr interessirende Problem, hat auch bei den jüdischen Denkern aller Jahrhunderte die volle speculative Würdigung gefunden, die es mit'Recht für sich in Anspruch nimmt. ■׳׳:■• Der Talmud, diese große, inhaltreiche Schatzkammer, in die mehr als fünf Jahrhunderte Hindurch so viele Könige des Wissens und Genie's ihre geistigen Schätze niedergelegt^), hat in unzähligen Stellen, theils in einfacher Ausdrucksweise, theils in verblümtem Sprachgewandt, seine Theorien über die Seele ausgesprochen. Es ist die Aufgabe des gegenwärtigen Artikels nicht, die psychologischen Lehrsätze des Talmuds zu entwickeln; doch heben wir einige der wichtigsten Momente hervor, um dadurch einen Maßstab für die Beurteilungen zu gewinnen, wie fern oder wie nahe die spätere jüdische Religionsphilosophie in dieser Beziehung den talmudischen Doktrinen stand. Nach den Lehren der Rabbintn ist die Seele ein substanzielles, einfaches, über alle Körperlichkeit erhabenes Wesen, eine Art Monade, wie dies die Sprache neuerer Schulen (Leibnitz und Herbart) nennt. Das Sein der Seele beginnt vor der Zeugung des Körpers (Präexistenz); so weist der Talmud in parabolischer Ausdrucksweist den - 2) Im Juchasin werden 172 Männer genannt, von denen Aussprüche in Mischna und Beraita enthalten sind; sowie gegen 1400 in beiden Gemaren vorkommende Lehrer. Diese Anzahl ist aber, wie Herr vr. Beer (in dieser Monatsschrift, 1833. S. 83) bemerkt, in Folge neuerer Forschungen mehrfach zu ergänzen. ' י )