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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 10 · p. Seite 386

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 10
Article
Aus dem Orient
Date
1855-01-01
Page
Seite 386 (sequence 3)
Language
German
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386 Aus dem Orient. Wir setzten einige Tage darauf unsere Reise nach Hebron fort, und von dort nach Jaffe. Im letzteren Orte taufte Sir Moses einen schönen großen Garten und Felder dazu, und eine Anzahl armer Juden findet auch dort Beschäftigung. Wir schiffte» uns ein um hierher zu gelangen, und Freitag am ersten September offerirte der Pascha einen der schönsten Paläste zu unserer Bewohnung. Das verlassene Gebäude war vor einigen. Tagen erst der Aufenthaltsort einer Prinzessin mit ihrem zahlreichen Gefolge, wo Sängerinnen und Tänzerinnen ihr die Langeweile zu verscheuchen suchten. Jetzt ist es ein Rendezvous für jüdische Deputationen von verschiedenen Gemeinden, und die Hymnen Lecha Dodi und Schir hammaalot versüßten »ns und unseren Ressegesährten die Sabbatruhe, nach der wir uns ungemein sehnten. Ich muß gestehen, daß ich bis jetzt immer geglaubt hatte, das Leben in einem orientalischen Palaste sei mir durch das Lesen vieler Reisebeschreibungen bekannt genüg; ich fand aber in diesen Tagen, daß dies nicht der Fall war. Der Luxus, der in dem Palaste des hiesigen Pascha herrscht, ist unbeschreiblich. Wir wurden von dem Schiffe abgeholt von einem der ersten Beamten, der mit drei großen Booten kam, die alle sehr schön verziert waren. Bei unsrer Landung waren des Pascha's Wagen für uns bereit mit zahlreichen Dienern, Soldaten, KawasseN und Vorläufern. Die Wachen präsentirten die Gewehre von allen Seiten und die Äugen Aller waren aus uns gerichtet. Der Palast, den wir bewohnen, ist umgeben von den schönsten Gärten. Blumen, wohlduftende Rosen, Granatäpfelbäume, Zitronen-, Pomeranzen-, Dattel- und Feigenbäume sieht, man nach allen Richtungen. Von einer Seite des Palastes sieht man den Kanal, der zum Nil führt, von der andern Seite die Regierungsgebäude und Lusthänser des Vicekönigs. Ungefähr dreißig Diener bewegen sich um uns her und die große Aufgabe, die wir jetzt zu lösen haben, ist, wie viel Pfeifen Taback wir rauchen und wie viel Tassen Kaffee wir jeden Tag trinken können. Heute wurden wir invitirt bei der Investitur des Leopoldordens gegenwärtig zu sein. Der Kaiser voll Oesterreich schickte den Orden dem Pascha als Anerkennuttg seiner Aufmerksamkeit, die er dem Erzherzog, wie ich glaube, hatte zu Theil werden lassen. Alles war in höchster Galla versammelt Md gewahrte im Ganzen einen schönen Anblick/ Nach der Investitur wurde ich und die andern Reisegefährten von Sir Moses dem Pascha vorgestellt, der sich sehr huldreich gegen uns benommen hatte. Morgen will's Gott werden wir eine kleine Schifffahrt ans den Nil machen und Donnerstag, sobald die Post von Ostindien ankommt, gedenken wir über Marseille nach Hause zu.gehen. Wahrscheinlich werden wir Rosch

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