Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Aus dem Orient
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 385 (sequence 2)
- Language
- German
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Aus dem Orient. 385 des Hospitals waren zwei feierliche Acte. Es war am ersten Elul (14. August) des Morgens, als sich 82 Schülerinnen im Schulhause eingefunden hatten, und meine Aufgabe war es, die Eröffnungsrede in spanischer und rein biblisch-hebräischer Sprache zu halten. Viele der Anwesenden weinten vor Freude solch einen Tag erlebt zu haben, und viele waren glücklich in der Glückseligkeit der Kinder,,.welche von ihren Gesichtern strahlte. Die Mädchen werden Vormittags durch zwei portugiesische und zwei deutsche Lehrerinnen im Hebräischlescn, U.e!׳ersehen der Gebete, biblischen Geschichte, Schreiben und Rechnen, und Nachmittags im Stricken, Nähen, Sticken und Kieidermachen unterrichtet, lieber je zehn Schülerinnen ist eine Monitorin gesetzt, die Monitorinnen aber selbst haben zweimal in der Woche ihren Unterricht von den Hauptlehreriunen. Ich habe die Schulordnung ganz nach europäischer Weise gemacht, und es ist Alles so schön, daß solch ein Etablissement sich nicht in Paris oder London zu schämen hätte. Nachmittag war eine große Versammlung auf dem Orte, wo der Grundstein des Hospitals gelegt werden sollte. Es war ein schöner Anblick, so viele Menschen allerlei Nationen vor sich zu sehen, und ich fühlte ungemein tief die Würde des feierlichen Actes, den wir zu begehen hatten. Die Leitung desselben wurde mir anvcrtraut und ich begann denselben mit Ps. 118 V. 5: ״Aus der Noth rufe ich Gott, Gott erhört mich u. s. w", und Ps. 127. V. 1: ״Erbauet nicht der Ewige das Haus, dann ist vergebens die Mühe der Arbeiter". Beide Psalmen wurden Vers für Vers wiederholt. Hierauf nahm ich eine Pergamentrolle, worauf ich die Hauptpunkte über die Erbauung des Hospitals, deren Begründer rc. geschrieben hatte, und las den Inhalt derselben allen Anwesenden vor, legte sie dann in eine blecherne Büchse und Hat dieselbe in eine dazu passende Höhlung, welche in dem Grundstein war. Der Stein, welcher 15 Tonnen wog, wurde nun hinab gelassen; während der Zeit ließ ich i. Chron. 29 V. 11: ״Dein, v Ewiger! ist die Größe und die Macht u. s. w." lautabsingen. Sir Moses schlug dann mit dem Hammer׳ daraus, ebenso Lady Montefiore, Herr Kurschid, ich selbst und Herr .-. . ')• Ich stieg nun auf den Grundstein hinauf und hielt in biblisch-hebräischer Sprache eine Anrede. So weit ich von den Gesichtern urtheilen konnte, blieb kein Auge thränenleer. Ich wurde hierauf begrüßt von allen Seiten und froh und freudenvoll ging ein Jeder nach Hause. 1) Hier ist im Briefe ein Wort unleserlich.