Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Syrien und die Beduinen unter der türkischen Verwaltung
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 383 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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unter der türkischen Herrschaft. 383 schönsten der Stadt ist. Ich erwartete einen Ausdruck der Ueberraschung; aber der Mann blieb ganz ruhig und sagte mir in geringschätzendem Tone: ״Du schläfst wohl sehr schlecht Hier?" ״Warum?" antwortete ich. ״Weil es kein besseres Bett gibt, als einen auf das Gras ausgebreiteten Teppich". — Bei einer andern Gelegenheit befragte ich einen Mann aus dem Stamme der Ruallah, was er über die Schönheit der Baum׳ gärten von Damaskus denke. ״Die schönste Landschaft der Welt" antwortete er, ״ist eine große mit Gras bedeckte Ebene, die keinen einzigen Baum hat." Wir verlassen hier diesen inhaltreichen Aufsatz, in welchem Herr v. Segur von einem höhern politischen Standpunkt aus sich nur über die ״Brüderlichkeit" des Beduinen verbreitet. Die ״Räuberei mit bewaffneter Hand" wurde nur im Vorbeigehen bemerkt; aber man bedenke, wie diese Hand jeden Verkehr hemmt und jeden commerciellen wie agrikulturlichen Aufschwung niederdrückt! Die Reise eines Bewohners Jerusalems nach Liberias gehört, wie dem Unterzeichneten von einem höchst achtbaren, in ersterer Stadt ansässigen Manne versichert wurde, zu den äußersten Seltenheiten; wer würde wagen diesen Weg durch die hier hausenden räuberischen Stämme zurückzulegen! Ebenso kann die Reise von Jerusalem nach der nächsten Hafenstadt Jaffe nur in Karavanen angetreten werden. Welcher Schwierigkeiten hat also der Gewerbetreibende und Ackerbauende sich bei seinem Unternehmen zu gewärtigen! — Dieses Journal athmet fast in jedem. Hefte die lebhafteste Anerkennung der Herren Montefiore und A. Cohn; es begrüßte freudig das von Letzterem mit seltener Aufopferungsfähigkeit erfaßte und ins Werk gesetzte Vorhaben, und bringt mit warmer Bereitwilligkeit die ihm bekannt gewordenen Resultate der Reise des Sir Montefiore. Die hier gemachten Bemerkungen sind daher weit entfernt, ein Mißtrauen in die erhebenden Unternehmungen dieser Edeln auszusprechen; sie wollen aber dem nur zu oft im Gewände des freundlichen Bedauerns hervortretenden >JÜdenhasse entgegen wirken, der in den im Anfang etwa nur schwachen Resultaten Nahrung zu neuen vermeintlichen Beweisen finden könnte, daß das Streben der Besseren, im Juden den Hang zur Arbeitsamkeit zu wecken, vergeblich sei. Man wäge diese Hindernisse^ab; erst wenn sie gehoben sein werden fälle man ein Urtheil! — Hoffen wir aber auch, daß die Herren 29*