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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 10 · p. Seite 376

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 10
Article
Syrien und die Beduinen unter der türkischen Verwaltung
Date
1855-01-01
Page
Seite 376 (sequence 12)
Language
German
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376 Syrien und die Beduinen Angriffe auf dm ganzen Stamm— aus ihrer Ruhe stören lassen. Kommt übrigens nicht die Pforte selbst durch Beibe- Haltung alterMißbräuche der beduinischen ״Brüderlichkeit" entgegen? Bezahlt sie nicht gewissen Stämmen eine Steuer, um eine Stütze zu haben in der Wüste und der nach Mecca (jährlich) pilgernden Karawane den Durchzug zu sichern? Wenn ich trotz des Mißklanges, den das Wort hat, und trotz des Ausdruckes ״Geschenk", dessen sich die Behörde dafür bedient, die Venennung ״Steuer" gebrauche, so geschiehet es, weil die Araber weitmöglichst fern davon sind, das Geld, das sie bekommen, als eine ״gnädige Gabe ihres Oberherrn" zu betrachten. Hier ein Beispiel. Vor einigen Jahren kam bei dem Oberbefehls- Haber der arabischen Armee der schwarze Diener eines Beduinenhäuptlings an; er hatte einen großen zerfetzten Mantel an und Stiefeln, die ehedem roth waren, jetzt aber keine bestimmte Farbe mehr hatten. Der Pascha nahm ausnahmsweise diesen Menschen mit Zuvorkommenheit auf, ließ ihn setzen, bezeigte ihm die Ehre der Pfeife und des Kaffees und wies ihn hierauf an feinen Schatzmeister, um die Steuer in Empfang zu nehmen, über die man, um sich friedlicher Verhältnisse zu versichern, mit seinem Gebieter übereingekommen war. Nach einigen Minuten hörte man einen großen Lärm; der Schatzmeister trat bestürzt ein und sagte dem Pascha> der Neger habe sich geweigert Scheidemünze anzunehmen und verlange, daß man ihm in Gold zahle; auf eine, ihm gemachte mäßige Vorstellung habe er mit der Stiefelsohle den Tisch, auf welchem das׳ schon abgezählte Geld lag, abgefegt. Hierauf der Pascha betreten, unruhig. Man ließ den Neger wieder hereinkommen, bediente ihn von Neuem mit der Pfeife und Kaffee, schmeichelte, liebkoste; sein Zorn legte sich, doch er ergab sich nur zur Hälfte und erklärte als letztes Ultimatum, daß er zwar die Hälfte in Scheidemünze annehmen wolle, das Andere aber müsse in Gold gezahlt werden. Das Ultimatum wurde angenommen und der Pascha kam erst zu seiner gewöhnlichen Ruhe zurück, als er den Neger mit dem Sacke, in welchem die für die Wüste Lestimmte Summe lag, sich entfernen sah. Ist nach solchem Vorgänge zu verwundern,- daß der arme Landmann der Willkür der Beduinen überlassen ist? Und er würde noch ׳glücklich sein, wenn die ״Brüderlichkeiten" sich nur auf Mann zum Mann erstreckten; allein außer diesen gibt es

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