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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 10 · p. Seite 375

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 10
Article
Syrien und die Beduinen unter der türkischen Verwaltung
Date
1855-01-01
Page
Seite 375 (sequence 11)
Language
German
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unter der türkischen Herrschaft. 375 er hat eine Art den armen Landmann zu Abgaben zu zwingen, die noch drückender ist als seine Räubereien mit bewaffneter Hand. Der Beduine halt wie eine gewisse europäische politische Partei Europa's sehr viel auf ״Brüderlichkeit"; und was die Aehnlichkeit noch vermehrt, er beschränkt sich nicht׳darauf seine ״Brüderlichkeit" anzubieten: er dringt sie auf. Gehet ein Bauer daran ein Haus oder einen Stall zu bauen, so muß er vor Allem zu Gott beten, er möge von jedem Beduinen den Gedanken fernhalten, die Nachbarschaft zu betreten. Denn betritt er sie, so wird der weitblickende Sohn der Wüste nicht ermangeln herbeizukommen und sich die Erlaubniß auszubitten, einen Stein dem Gebäude anfügen zu dürfen, worauf er dann eifrig dem Bauer versichert, von nun an ist er sein Bruder, ein geheimes Band vereinigt sie, und wer sich an seiner Person oder an seinem Besitze vergreifen wollte, der würde hierfür dem ganzen Stamme, dem er (der Beduine) angehört, Rede zu stehen haben. Dieses ist in der That eine große und mächtige Stütze; allein der Bauer hat gute Ursache sie nicht sehr zu wünschen; der dienstbeflissene Beduine wird nicht ermangeln mitzutheilen, daß er als Gegendienstfür einen so mächtigen Schutz auf Beweise von Anhänglichkeit rechne, die man doch wohl einem Bruder nicht verweigern kann. Ohne weiter anzustehen wird der Preis der ״Brüderlichkeit" auf 200 Piaster (50 Francs) oder wenigstens 100 Piaster jährliche Steuer angesetzt: das Ganze hängt von der mehr oder minder großmüthigen Laune ab, in der sich gerade der Beduine befindet. Der Kontrakt ist nun abgeschlossen und der Bauer hat nichts anderes zu thun, als das Geld in Bereitschaft zu halten; denn im Falle des Nichtbezahlens wird derselbe Stamm, der bereit ist ihn z.u vertheidigen, herbeieilen und sein Haus stürmen. Doch wie, wird man fragen, kommt nicht die Obrigkeit dem so bedrängten Bauer zu Hülfe? Aber die türkische Obrigkeit hat genug zu thun, um sich selbst zu vertheidigen, wenn der Beduine sie angreist, und sie hüthet sich wie vor Feuer, bei dergleichen Angelegenheiten dazwischen zu treten. Der Fehler liegt zunächst, man muß es offen sagen, an der Regierungsweise der Pforte, die bei dem mindesten Lärm in Unruhe gerath; dann an der Trägheit der Paschas, die sich nicht gern durch einen Streit mit einem Stamme — denn einen Beduinen und aus solcher Ursache angreifen ist gleichbedeutend mit einem

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