Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Syrien und die Beduinen unter der türkischen Verwaltung
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 4)
- Language
- German
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368 Syrien und die Beduinenzu den Wüsten Arabiens, der bei dem Anblick dieser Einöden bald schwindet, wenn nach den Winterregen das Wachsthum sich dort entfaltet, sich sogar an vielen Punkten zu einer von Jenen, die nicht dieses prächtige Schauspiel gesehen, nicht erwarteten Stufe erhebt. Aber da in diesen Strecken der Sommer fast ohne Uebergang auf die Regenzeit folgt und die Regen selbst nie sehr reichlich sind, so verdunstet schnell die vom Boden aufgenommene Feuchtigkeit und die Pflanzen, die in lebhafter Farbe glänzten, sind schnell wie von denDhauche eines brennenden Ofens verdorrt. * Die Wüste von der ich hier spreche, der Raum nämlich zwischen, dem Euphrat von einer Seite und dem Thale des Orontes, den letzten Vorsprüngen des Antilibanons, dem Gebirge des Hauran von der andern Seite ist also in gewisser Hinsicht sehr fruchtbar, allein die Erndten geben in ihr aus Mangel an hinreichender Frische wenig Ertrag.. Daher haben mit werügen Ausnahmen die Menschen sich hier nie in großer Anzahl und auf längere Zeit niedergelassen, um wichtige Mittelpunkte ansässiger Bevölkerungen zu bilden. Dieses ist's mit, was überhaupt den Beduinen zu einer irrenden Lebensweise zwingt, stets begleitet von dem einzigen Eigenthume das er besitzen kann, seiner Heerde. Indem er Heine Wanderungen nach den Jahreszeiten einrichtet, verschafft er sich zu jeder Zeit das ihm unentbehrliche Wasser und Gras. Nichts ist daher weniger begründet als die Meinung, der Beduine habe es blos mit seiner Phantasie zu thun, begibt er sich von einem Ende Arabiens zum andern. Der Beduine wandert, man merke es genau, weil ihn die Noth treibt: wollte er ein Ansäßling werden, so müßte er auf die Gewerbsweisen verzichten, durch die er lebt. Ganz anders sind die klimatischen Verhältnisse in den Th eilen Syriens, die zwischen der Wüste und dem Mittellänbischen Meere liegen. Der Westwind, der die von der Oberfläche des Meeres aufgesaugten Dünste mit sich führt, verursacht daß in dieser Gegend die Regen länger und. ergiebiger sind. Er bildet ferner, indem er den Winterschnee auf den Gipfeln des Libanons und Antilibanons anhäuft, gleichsam große Becken von Feuchtigkeit für einen Th eil wenigstens der warmen Iahreszeit. . , Der Westwind bringt noch einen andern Vortheil: er unterhält während des Sommers auf dem Libanon einen Wol-