Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Antonio Joseph
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 331 (sequence 4)
- Language
- German
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Antonio Joseph. 331 chem hier ins Besondere gesprochen werden soll, Antonio Ioseph. Niemand hat mehr zu dem reichen und mannigfaltigen Schatze der portugiesischen Literatur beigetragen, als er und Niemand hat die portugiesische Bühne auch nur mit dem vierten Th eile der von ihm verfaßten so überaus schätzbaren dramatischen Werke bereichert, und dennoch ist dieser durch seine Schriften so berühmte und durch seinen bis an den Tod bekündeten Heldenmuth eines unsterblichen Rufes würdige Mann, wo bei der Aufführung von dessen Schauspielen noch jetzt so manches Auge bis zu Thränen gerührt wird und der in dem katholischen Portugal so vielfach erwähnt wird, wie ich glaube allen seinen Glaubensgenossen, wo dieselben auch weilen mbgen, bis auf den Namen unbekannt. Don seinem frühesten Leben hat man nur dürftige Kunde, etwa das Factum abgerechnet, daß er, nachdem er in einem Alter von 30 Jahren Wittwer geworden war, für die Bühne zu schreiben ansing. Fünf und dreißig Jahre alt begab er sich in ein Kloster, und zwar, wie es den Anschein hatte, nach freiem Entschlüsse und aus Neigung, in Wahrheit aber um den gegen ihn rege gewordenen Argwohn niederzuhalten und das Gerücht von seiner Hinneigung zum Judenthume Lügen zu strafen, zu welchem nicht allein einzelne Stellen, sondern überhaupt der ganze Inhalt seiner Schriften Veranlassung gegeben hatte. Er wurde in den Priesterorden ausgenommen und ging nach Brasilien. Nach einer achtjährigen Abwesenheit kehrte er nach Portugal zurück und wurde kurze Zeit nachher in den Kerker der Jnquisition geworfen. Zweimal bekannte er das ihm zur Last gelegte Verbrechen und kam mit einer leichten Strafe und einer schweren Buße davon. Nachdem er jedoch zum dritten Male dieselbe Sünde begangen hatte, wurde er zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurtheilt, und zwar in Folge seines freiwilligen Bekenntnisses, daß er zwar während seines ganzen Lebens von der Wahrheit des Judenthums überzeugt gewesen, jedoch erst in einem Alter von 47 Jahren in Wirklichkeit zu demselben übergetreten sei, indem er sich damals erst der Beschneidung unterzogen Hütte. Nachdem er vor das Tribunal geführt worden war, redete er die Inquisitoren folgendermaßen an: ״Ich bekenne mich zu einem Glauben, von dem ihr selbst zugebet, daß er von Gott gegeben worden sei. Er liebte diese Religion und ich glaube, daß er sie noch liebt, während ihr glaubet,