Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 9
- Article
- R. Jochanan ben Napcha
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 326 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829178-2829188-2853956--02464-2853975- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
326 R. Jochancm ben Napcha. Satzes sah. Man mußte die Kraft des Gedächtnisses, dem der reiche Halachüschatz anvertraut wurde, möglichst schonen und suchte demselben zuweilen selbst auf Kosten der Klarheit durch Gedrängtheit und Kürze zu Hülfe zu kommen. Nun wurden zwar später die zum Zwecke der mündlichen Ueberlieferung so präcisirten Mischna's dennoch ausgezeichnet; aber sie behielten gleichwohl ihr ehrwürdiges antikes Gepräge. Ja auch ihre jüngern Schwestern treten mehr oder weniger in dieser Gestalt auf. Theils war es. so zu sagen. Mischnastyl geworden, .furz und bündig, wenn auch nicht so klar und deutlich, den HMchischen Lehrsatz abzufassen; theils war die Scheu vor schriftlicher Mittheilung noch nicht so ganz überwunden, um andere als kurz gedrängte, dem Gedächtnisse gewissermaßen nur zum An- Haltspunkte dienende Sätze aufzustellen.. Der Geist, der diese durchdringe und belebe, sollte wie bisher im unmittelbaren Ergüsse der Seele vom Munde zu Munde strömen und vom Meister aus den Jünger׳ durch das lebendige Wort übertragen werden. Diesen Geist der Mischna, insoweit er auf uns gekommen, R. Jochanan sammt seinen babylonischen Genossen verdanken wir ihn, der ihn in seiner Tiefe ergründet und über zahlreiche Jünger ausgegossen. Seine erste Frage, mit der er an die Mischna trat, war nach der Ursache (מאי טעמא), oder er suchte den oft zu allgemein und unbestimmt ausgedrückten Lehrsatz der Mischna in engere Linien zu fassen (1^ א^>), oder wo die Mischna Meinüngsdivergenzen enthält, auf den eigentlichen DTerenzpunkt derselben aufmerksam zu machen schloß dann auf das Conträre oder Contradictorische. und brachte so das. was die Mischna sagt und was sie verschweigt zur halachischen Geltung^). Wo die Mischna mit einer andern im Widerspruch zu sein scheint, wo sie in Folge der ihr eignen Kürze-Dunkelheiten enthält, wo ihr nähere Bestimmungen-,. 5) Bemerkenswerth dünkt uns eine Stelle (b. Mez. 17d), wo R. Joch, einen juridischen Satz aufstellt,, in dem einer seiner Jünger eine Mischna wiederfindet. 9L Joch, räumt auch die Identität ein. Vergleichen wir jedoch den Satz des N. Joch, mit dem der Mischna,. so finden wir einen bedeutenden Unterschied. Was diese in eoncreter Weise an einem specietlen Falle zeigt, dem sich dann ähnliche Fälle coordiniren, das drückt N. Jochan. in einer abstracten Formel aus. Er erhebt das Beispiel der Mischna zu einem allgemeinen Begriffe, dem sich der einzelne Fall subordinirü Dieses Exempel philosophischer Bearbeitung des Mischnasatzes von Seiten des N. Joch, steht gewiß nicht vereinzelt da.