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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 9 · p. Seite 324

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 9
Article
R. Jochanan ben Napcha
Date
1855-01-01
Page
Seite 324 (sequence 4)
Language
German
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R. Jochanan kn Navcha. 324 halachische Resultate, ohne Benennung ihres Autors, ohne Angabe abweichender Ansichten, deren es gewiß zur Zeit gegeben hatte. Nur die Streitigkeiten zwischen Hillel und Schamai und deren Schulen sind ausnahmsweise angegeben. Mit dem Auftreten des ersten Tanaimgeschlechtes aber wird diese Ausnahme Regel. Die Mischnalehrer treten in dem Mischnalehrsatze mit Namen, discutirend, oft auch Motive angebend auf. Diese eigenthümliche Erscheinung dürfte vielleicht folgender Weise zu erklären sein. Den Rehaetoren der Mischna, unter denen uns R. Akiba und R. Jehuda hanasi mit Namen bekannt sind, lag weniger daran, in ihren Werken Zeugniß von dem Geiste der Forschung abzulegeu, wie er sich in den berühmtesten Gelehrten vorangegangener. Zeiten mannigfach gestaltet hat; sie wollten keine halachische׳ Literaturgeschichte liefern. Ihnen lag vielmehr daran, die aus der Geistesthätigkeit früherer Generationen gewonnenen Resultate zu sammeln und zu einem Gesetzesbuche zu ordnen. Daher gaben sie die alten Mischna's als halachische Gesetze in gedrungener Kürze ohne motivirende Hinzufügungen wieder. Von diesem Verfahren mußte aber bei den Streitigkeiten Hillel's und Schamai's, sowie bei denen ihrerJüngerschäften, Abstand genommen werden. Die hervorragende Stellung, die jene Männer sowohl persönlich, als auch durch Men Anhang in der jüdischen Gesetzgebung eingenommen haben, sowie die Ehre eben dieser zahlreich vertretenen gelehrten Körperschaften erforderte es, daß auch die Ansicht des besiegten Theiles nicht mit Schweigen übergangen würde. Sie mußte wenigstens notirt, gewissermaßen zu Protokoll genommen werden. Als aber die Riesengestalten der ersten drei Tanaimgeschlechter auf dem. Wahlplatz der Halacha auftraten, da wagte weder R. Akiba, der ja derselben Zeit angehörte und in den meisten Streitfragen, die in ihr entsprungen waren, mit als Hauptkämpfer austrat, noch auch R. Jehuda hanasi, über die Ansichten dieser Heroen, deren viele seine HehreHwaren, zu entscheiden. Am Allerwenigsten durste dieser seWsMenen Gegner vor seinen Okichterstuhl,ziehen und ihre Behauptungen als unhalachisch verschweigen. Er stellte daher säst alle Mischna's, die seit dem Auftreten seines berühmten Großvaters, .E Gamaliel aus Jabne, entstanden waren, als offne Fragen hin, theilte Ansicht und Gegenansicht,•/oft auch Grund und GMengrund mit, ohne selber zu entscheiden. Als aber mit seinem Tode der

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