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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 9 · p. Seite 323

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 9
Article
R. Jochanan ben Napcha
Date
1855-01-01
Page
Seite 323 (sequence 3)
Language
German
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R. Jochanan ben Napcha. 323 Auch manche Sprüche Humoristischer Art finden sich von ihm. So gibt er (Chulin 8410 reichen Erben, die es darauf absehen, ihres Reichthums schnell sich zu entledigen, den Rath, sich in feine Linnen zu kleiden, gläserner Gefäße sich stets zu bedienen und ihre Tagelöhner nicht zu beaufsichtigen. — Auf die Ansicht Samuel's, erst zu heirathen und dann dem Studium sich zu ergeben, erwiedert er eben so lakonisch, wie wahr: ״Einen Mühlstein auf dem Halse und studiren!" — Wer viel gelernt und nicht weiter lehrt, ist einer Myrthe gleich, die in der Wüste blüht (Rösch hasch. 233). ״Hohe Würde — Todesbürde!" (רבנות מקברת את בעליה) ruft er aus, veranlaßt durch die Erscheinung, daß mancher Prophet vier Könige überlebt hat (Jalk. Jesaj. 254). Wie oft wir indeß auch R. Jochanan in der Hagada begegnen und wie sehr er sich auch dam: des Beifalls seiner Zeitgenossen erfreutes, er war dennoch in diesem Gebiete nur ein Gast, nur am Tage der SeelenruhH am Sabbat, in demselben sich ergehend^). Seine eigentliche Heimath ist die andere Hemisphäre der jüdischen Geisteswelt, die Halacha. In dieser gelangte er zu so hoher Autorität, daß, während dem großen Babylonier Rab nur in rituellen und Samuel nur in rechtlichen Fragen Bedeutendes zugetraut worden, ihm in allen halachischen Zweigen der Sieg zuertheilt wird, und er erliegt auch dann kaum, wenn seine Gegner in geschlossener Phalanx gegen ihn zu Felde ziehen*). Seine halachischen Leistungen sind so überwältigend, daß man sie einzeln gar nicht anzugeben vermag. Höchstens lassen sich-folgende drei Gesichtspunkte aufstellen; von denen aus sie großen Theils überschaut werden können. Das Mischna-Werk, wie es bereits R. Jochanan vorlag, liefert bis zum Beginn des ersten Tanaim-Geschlechtes fast nur 2) Jer. Horaj. 3, 7 erzählt: Einst hielt er in Zepphoris einen hagadisehen Vortrag, zu dem alles Volk herbeiströmte. Als N. Chanania, sein Lehrer in. der Hagada, die Ursache der allgemeinen Ansregung in der Stadt-erfuhr, dankte er dem Himmel, daß er ihn noch den -Ruhm seines Jüngers erleben gelassen. — 3) Gittin 6üa. — Auch in den theosophischen oder metaphysischen Diseiplinen'(.-i2d-!v מעשד. ב.ראש*ת׳) war er Meister. Sein Schüler, N. Elasar, sieht darin, daß es ihm nicht vergönnt war, die Geheimnisse jener Lehren vom Munde des N. Jochanan zu'.erfahren, ein Zeichen, daß er überhaupt nicht würdig sei, in dieselben eingeweiht zu werden (Chagiga 130.). - ׳._ .. _ *) Vgl. Tosafot Schabbat ILSa und sonst. Vgl. hingegen Alsasi. das. ' 25^

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