Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 8
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 7)
- Language
- German
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Recensionen und Anzeigen. 313 fremden wollen. Die Trägheit über Glaubenösachen nachzudeuken hat diese Klasse besonders vermehrt. — Vers, erwähnt in diesem Abschnitte auch ein von ihm geschriebenes Werk מוסר הבנים. — Im fünften kürzeren Abschnitt werden in einem Zwiegespräche zwischen einem Lebenden und dem Geiste eines Verstorbenen die sinnlichen Genüsse nnsers irdischen Daseins mit der Seligkeit, die der Mensch nach Ablegung 'der körperlichen Hülle im Jenseits zu erwarten hat, gegeneinander gehalten, bis endlich der Engel Gabriel hinzutritt und für die höhere Vorzuglichkeit des Jenseits, wo erst das eigentliche Leben beginne, entscheidet. — Kehren wir nach dieser Einschaltung zu der vorliegenden gedruckten Sammlung zurück! — Selbige enthält ferner: 3) אט ונח חכמים (Bl. 19—44) von Abraham Chaim Viterbo, Rabbiner zu Venedig im I. 1695; einer Livorncr Handschrift entnommen. Eine beachtenswerthe dogmatische Abhandlung, welche, bei aller Nechtgläubigkeit, den tieswissenschaftlichen Geist ihres Verfassers bekundet. Hervorzuheben sind darin u. A. seine Ansichten über das Paradies, seine Bekämpfung der maimonidischen Glaubensartikel, besonders der Unveränderlichkeit des mosaischen Gesetzes, wogegen er 6 Hauptglaubensartikel angenommen haben will. Ferner werden mancherlei auffallende Stellen im Pentateuch aus eigentümliche, den übrigen Bibeleommentaren nicht gewöhnliche Weise erklärt; die bekannte Sisristelle über רבית נבהי wird dahin erläutert, daß das unzinsbare Darleihen einem Israeliten als Gebot und dessen Unterlassung als Verbot zu betrachten sei, wogegen auch nach Sifri das zinsbare Darleihen einem Nichtisraeliten keineswegs präceptiv sei, Maimonides daher jene Stelle ganz unrichtig aufgcsaßt habe. Die Ewigkeit der Höllenstrafen, welche Maimonides für eine gewisse Kategorie von Frevlern annimmt, wird ebenfalls abgewiesen. — 4) ספר המוסר (Bl. 49b—54); letztwillige Ermahnung Joseph Jbn Caspi's an seinen Sohn, verfaßt im I. 1332 und bereits — etwas entstellt — von Joseph Jaabez im Buche 01׳ bu-- chajim erwähnt. —־ Interessant ist darin der Lehreursus, den er dem Sohne empfiehlt. Letzterer war damals 12 Jahre alt; bis zum 14. I. sollte er noch in Bibel und Talmud sich befleißigen, vom 14.—16. I. mathematische und ethische Werke studieren, vom 16.—18. I. die Easuisten, besonders Alsasi, Moses v. Coucy und Maimonides erlernen und dabei logische Studien treiben, vom 18. Jahre an Metaphysik beginnen und die früheren Disciplinen fleißig wiederholen. — Das Stück ist einer Londoner Handschrift entnommen und nach einer Münchner corrigirt. —