Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 8
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 311 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829178-2829187-2853901--02441-2853940- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Recensionen und Anzeigen. 311 der Talmud hervorging. ״Man streuetc jedoch in dieses Werk auch Mancherlei ein aus fremden Wissenschaften, Lebensregeln, bewährte und unbewährte Arzneimittel, Erzählungen, Räthsel, Volkssagen, Begebenheiten, die sich nach Aussage der Vorfahren irgendwo zugetragen haben sollen, ohne Stroh von Weizen, Gesundes von Zerbrochenem, Zukunst von Vergangenheit zu sichten. Aber nur das, was ans Erläuterung der göttlichen Gebote sich beziehet, ist der eigentliche Talmud und hat Autorität, welches denn auch der Herr der Weisen und Gelehrten, R. Moses bcn Maimon, in seinem Mischnc Tora nach sorgfältigster Erwägung zusammengefaßt hat. Der übrige Inhalt des Talmuds ist nur facultativ hingestellt u. s. w." — 8) Mit den talmudischen bcsonders hagadischen Bibelauslegungen, die zuweilen ungeeignet erscheinen, hat es folgende Dewandniß: unsre Weisen hatten zweierlei Schüler vor Augen. die Intelligenteren genügte es, den Gegenstand je nach seiner Beschaffenheit durch logische Schlüffe, Vernunftbeweise oder andre sachgemäße Argumente auseinanderznsetzen. Für die minder Intelligenten hingegen konnte der Lehrgegenstand entweder nur als Andeutung oder Parabel angeführt, oder er mußte auf einen Bibelvers als Autorität gestützt werden. Auch Moses bediente sich dieser zweifachen Erklärungsweise; den Eingeweiheteren definirte er Gott als אהיה אשר אהיה (das absolute Wesen), zu den Anderen sprach er in Bildern. Dies besagt auch der Satz, daß die Lehre ״auf 70 Arten" ausgelegt werden könne; die eigentliche Wahrheit enthält allerdings nur eine Auslegung, aber für die verschiedene Fassungskraft der Lernende» bedarf es vieler. — Der zweite Abschnitt bringt in Reimversen einen gelehrten Disput zwischen einem Greise und einem Jüngling; Ersterer ist strict gläubig. Letzterer enthusiastischer Anhänger der philosophischen Forschung. Endlich erwählen sie einen ״israelitischen König" zum Schiedsrichter, der sich in milder Weise ״für Vereinigung einer gesunden Philosophie mit dem Glauben" entscheidet^), wozu auch der jugendliche Philosoph, nachdem ihm das Ungereimte mancher extremen philosophischen Doctrinen sehr beredt vorgehalten wird, zuletzt sich bekehrt. — Im dritten Abschnitt werden ein Schriftgelehrter (חבר) und ein Sterndeuter (הבר) in Gesprach vorgesührt. Ersterer widerlegt alle Prämiffen der Astrologie und stellt sie in ihrer Blöße dar, geißelt auch den Aberglauben der Juden in Deutschland und Frankreich, welche durch Engelnamen u. dgl. mancherlei Wirkungen hervorzubringcn wähnen; sodann setzt er den Unter- 2) Bis hierher blos ist dieser Abschnitt in vorliegender Sammlung abgedruckt.