Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 8
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 4)
- Language
- German
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310 Recensionen und Anzeigen. insbesondere die mosaische Religion in ihren heilsamen Geboten und Verboten. — 5) Warm» schmachtet aber ein mit so weisen Religionsgesetzen begabtes Volk so lange in Druck? Weil die Erkcnntniß des Wahren und Richtigen nicht das Loos der Mehrheit der Menschen ist. Je unglaublichere Dinge und Wundcrthaten ein Glaube lehrt, desto mehr wird die Menge ihm anhängen. Selbst Moses bedurfte ja einer ״Stimme vom Himmel" zur Beglaubigung für das Volk. Die Vorzüglichkeit des israelitischen Glaubens und die Enthaltung seiner Bekenner von manchen Genüssen erregte daher stets den Haß anderer Völker und Glaubensparteien, wie schon die alte Geschichte lehrt; hierdurch entstand jener so lang währende Druck. — Auch hatte der Umstand, daß der israelitische Staat ein ״Religionsstaat" war, dessen Hauptaugenmerk auf Verbreitung religiöser und sittlicher Lehren gerichtet blieb, die Folge, daß unsre Vorfahren die weltlichen Mittel zur Erhaltung ihrer Unabhängigkeit vernachlässigten und dadurch nach Gottes Rathschluß unter die Botmäßigkeit anderer Völker kamen. — 6) Der Messtasglaube bildet keinen wesentlichen Punkt der isr. Religionslehre, obgleich dessen einstige Ankunft nicht zu bezweifeln ist. (Dieser antimaimonidischen Auffassung huldigte man also in Spanien schon vor N. Joseph Albo!) — Aus den speciell angeführten und zum Theil erläuterten Weissagungen der Propheten und den beigefügten Schilderungcn erhellt ausdrücklich, daß der Messias weder zur Zeit des zweiten Tempels, wie namentlich ״die Apostaten" (השבים מדתינו) vorgeben, noch zu irgend einer andern Periode bereits gekommen sein könne. — 7) In Erwiederung aus die von dem berüchtigten Abner (Alphons von Valladolid') gemachten Einwendungen gegen Tradition und Talmud wird die Unerläßlichkeit tradirter Erläuterungen so vieler im Pentateuch nur allgemein hingestcllter Gebote (z. B. was unter verbotener Arbeit am Sabbat zu verstehen sei u. dgl.) nachgewiesen. Die Voraussicht, daß im Laufe der Zeit specielle Interpretationen und allerlei neue Einrichtungen nothwendig werden würden, dictirte das Gebot (5. Moses 17, 11), nach den Aussprüchen der jedesmaligen oberen Religionsbe- Hörde sich zu verhalten und davon nicht abzuweichen. Sv lange Tempel und Synhedrium bestanden wurde dies gehandhabt; nachher erforderte die Erhaltung der Religion alle jene Aussprüche, Erläuterungen und Einrichtungen möglichst zu sammeln und schriftlich zu verzeichnen, woraus 1) Derselbe wird vom Verfasser also bezeichnet: איש אחד חי נפשי מחיר ויודע בדרכי הדת גם בפילוסופיא ובא עד קצו למלאות חפצו, ונפוהו לבו לשוב מדרבי תורהינו חי׳ שמד מקדם ר׳ אבנר.