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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 8 · p. Seite 293

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 8
Article
R. Jochanan ben Napcha
Date
1855-01-01
Page
Seite 293 (sequence 9)
Language
German
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R. Jochanan tcn Napcha. 293 Geistesthätigkeit anerkannte. Er schätzte und achtete vielmehr jeden Gelehrten, welches Glaubens, welcher Nation er auch sein mochte. Wer ein Wort der Weisheit spricht, sagt er (Megilla 16a), und sei er auch ein Heide, verdient den Ehrennamen ״Weiser". Weil er aber dem Gelehrten einen so hohen Rang einräumt, so sind auch seine Ansprüche an ihn nach allen Seiten hin sehr groß. Ihm muß der Mann der Wissenschaft, diese nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich angemessen, repräsentiren. Der innern Würdigkeit muß auch das äußere Aus« treten entsprechen. Jer. Synhed. 2,6 tadelt er einen Gelehrten, der öffentlich sein Holz spaltete. Er nennt es eine Schmach für einen Gelehrten, wenn er in unanständiger Fußbekleidung sich öffentlich zeigt: er findet es sträfllich an ihm, wenn sich Schmutz an seinen Gewändern findet, die er aus ethischen Gründen ״Ehrenspender" nennt (Synhed. 94a). Doch wie hoch er auch die Würde des Gelehrten anschlug, so war doch seine edle Seele frei von jeglichem Stolze, der ihm ״Götzendienst, Verleugnung alles Edlen und Göttlichen" war (Sota 4b). Kaum bedarf es der Erwähnung, daß er seine Jünger wie Freunde behandelte itnb sie auch oft ״unsere Freunde" (חברינו) nannte. Er freute sich mit ihnen in ihrer Freude, in ihrem Wohlbefinden (Schek. 3, 3), und nahm innigen Antheil an ihrem Schmerze (Berach. 5b). Selbst der Tadel, den er zuweilen gegen sie äußerte, war sanft und milde. Den Arbeiterstand achtete und ehrte er gar sehr. Freundlich sagte er (Cholin 54b) zu einem Handwerker, der, von ihm besucht, ehrerbietig vor ihm ausstehen wollte: ״Setze Dich, mein Sohn, setze Dich; das haben Handwerker, zumal während ihrer Arbeit, nicht nöthig. Diese Bescheidenheit war aber nur ein einzelnes Blümchen in dem reichen Kranze seiner Tugenden.. Unter diesen prangte vor Allem die Gastfreundschaft, die ihm eben so heilig war, wie sein hoher Beruf im Lehrhause (Sabb. 127a); ein edles Mitgefühl mit den Leidenden, die er am Krankenbette mit trostreichen Worten und mit dem erhabenen Beispiel seiner Gottergebenheit beruhigte und stärkte. Denn er selbst war hart geprüft worden. ״Dies ist mir von zehn Söhnen geblieben", rief er einst aus, einen Zahn von einem derselben vorzeigend, den er als ein heiliges Andenken aufbewahrte: ihm wurde der

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