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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 8 · p. Seite 292

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 8
Article
R. Jochanan ben Napcha
Date
1855-01-01
Page
Seite 292 (sequence 8)
Language
German
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292 R. Jochanan ben Napcha. Dich nicht des berühmten Jüngers Rabbi's und R. Chia's, der vor diesen sitzen durste, während ich stand? Das war ein Mann, in Allem ein Mann!" Voll tiefster Entrüstung verweist er es einem Babylonier, der auf seine Fragen, wer in Babylon Schul-Oberhaupt sei, antwortete: Aba Areka*). ״Wie? Aba Areka nennst Du ihn?" versetzte R. Jochanan, ״ich erinnere mich seiner aus jener Zeit, da er siebenzehn Reihen vor mir zu Füßen des R. Jehuda hanasi saß. Wie Feuerfunken sprühte es vom Munde des Jüngers zu dem Lehrer, und vom Munde des Lehrers zum Jünger; ich verstand kein Wort von alle dem, worüber sie disputirten, und Dir heißt er nur Aba Areka!" (Cholin 137b.) Fast dieselbe Hochachtung und Liebe zollte er dem Geistesverwandten und Landsmann des Rab, dem berühmten Samuel, dem Oberhaupte der Schule in Nehardea, dessen Antlitz zu schauen ihn einst so innig verlangte, daß er mit R. Simon b. Lakisch im Begriffe stand, nach Babylon zu reisen. Nur die aus religiösen und nationalen Motiven fließende Liebe zu dem angestammten Daterlande, verbunden mit den Berufspflichten, vermochte ihn die Sehnsucht, den gefeierten Zeitgenossen wiederzusehen, unbefriedigt zu lassen (jer. Sabb. 6, 9). Diese Huldigung, die R. Jochanan, der größte der Palästinenser, den großen Lehrern Babylons darbringt, sowie die strenge Unparteiligkeit, mit der er überhaupt die Gelehrten jenes Landes behandelt, stehen in engem Zusammenhänge mit der wahrhaft erhabenen Ansicht, die er über die Würde der Wissenschaff und deren Träger hat und die in zahlreichen Kernsprüchen niedergelegt sind. Vor der Klarheit seines Blickes schwindet der Nimbus des Ahnenstolzes; selbst das priesterliche Gewand ist ihm nicht heilig, wenn es nicht von einem der Wissenschaft Würdigen und Kundigen getragen wird. ״Besser ein Bastard, aber dem Gesetzesstudium treu ergeben, als ein Hoherpriester mit einer rohen Seele", ist seine Devise (jerus. Horaj. 7, 7. Megilla 28» u. a. a. O.). Und man glaube ja nicht, daß diese Liebe zm den Wissenschaften sich nur auf den engen Kreis jüdischer Studien beschränkte, außerhalb dessen er etwa keine 3) So war der eigentliche Name des im Talmud vorkommenden Nab; Nab heißt Lehrer, und war der Ehrentitel des Aba Areka, par excellence Lehrer. ־.

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