Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 8
- Article
- R. Jochanan ben Napcha
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 291 (sequence 7)
- Language
- German
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R. Jochanan ben Napcha. 291 palästinensischer Witzlinge R. Kahana so in Verzweiflung gebracht haben, daß er kurz nach seiner Ankunft wieder nach Hause zurückkehrte 8 9). Dieser Ton der Geringschätzung herrschte auch in den palästinensischen Lehrhäusern vor, und Ausfälle wie ״die närrischeu Babylonier" (הני בכיסאי טפשאי) und noch heftigere, selbst gegen die geistreichsten Söhne Babylons, waren etwas ganz Gewöhnliches. — R. Jochanan sehen wir gegen derartige geringschätzende Ansichten und Aeußerungen mit Ernst und Würde auftreten, die Tadler oft derb verweisen und die Gelehrsamkeit der Babylonier anerkennen und loben. Sabbat 145b fährt er einen Jünger, der von den babylonischen Gelehrten spöttelnd sagt: sie kleiden sich darum in ein auffallendes Gelehrtengewand, weil sie eben nicht Gelehrte sind, hart an, und nimmt dieselben in Schutz. Succa 44a sagt er, R. Kahana's Scharfsinn anerkennend, zu seinen Schülern: Ihr glaubt, euer sei die Lehre, nein, ihr Eigenthum (der Babylonier) ist sie"). Von innerer Begeisterung aber strömt er über und ist voll des höchsten Lobes, wenn er von Rab, dem Oberhaupte der suranischen Schule, spricht. Cholin 543 tritt R. Chia b. Joseph einer Behauptung des R. Jochanan und R. Simeon b. Lakisch mit der Bemerkung entgegen, daß Rab anderer Ansicht sei. R. Sim. b. Lakisch ruft gereizt aus: Immer und immer Rab! Wer ist denn Rab? R. Jochanan aber, weit entfernt diese Empfindlichkeit zu Heilen und auch nur die leiseste Spur von Neid zu fühlen gegen den höher gestellten Babylonier, beschwichtigt vielmehr den Zürnenden, indem er sagt: ״Erinnerst Du denn 8) Es ist bemerkenswerth, daß, während der babyl. Talmud Ln seiner R. Kahana-Sage den Palästinenser N. Jochanan zum Helden derselben macht, der palästinensische Talmud in der seinigen diesen ganz passiv sein und den Babylonier R. Kahana handeln läßt. Echt orientalisch ist die Art, wie dieser sich nach jer. Berach. 2, 7 vor seiner Abreise von Palästina von N. Jochanan beurlaubt. ״Meiner Mutter Söhne", klagte er ihm, auf die Palästinenser hinweisend, ״höhnen mich; des Vaters Frau (Babylon) ehrt mich; wohin mich wenden?" Zn denen, die Dich ehren", antwortete der Gefragte, ohne auf die räthselhaft klingende Frage näher einzugehen. Dem Jünger galt indeß dieser Bescheid als Erlaubniß zur Reife, die er auch bald antrat. Erst später erfuhr R. Jochanan, was N. Kahana mit jener Frage gemeint und daß er heimgekehrt sei. 9) Vgl. auch Cholin 45 a, Jebam. 72a.