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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 8 · p. Seite 290

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 8
Article
R. Jochanan ben Napcha
Date
1855-01-01
Page
Seite 290 (sequence 6)
Language
German
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290 R. Jochanan den Napcha. Diese Verehrung und Begeisterung von Seiten der Babylonier wurde aber dem R. Jochanan nicht nur als berühmtem Lehrer und gefeiertem Zeitgenossen, sondern auch als vorurtheilsfreiem unparteiischem Manne gezollt, der den Babyloniern gegenüber der Abneigung der Palästinenser Gerechtigkeit und Anerkennung angedeihen ließ. Diese Abneigung floß einerseits aus der wie es scheint in Palästina verbreiteten Ansicht, daß, wäre die Betheiligung an der von Esra geleiteten Einwanderung eine allgemeine gewesen, der jüdische Staat eine andere Gestalt angenommen und ein anderes Schicksal erfahren hätte; — wollte doch aus diesem Grunde 9t. Simeon b. Lakisch einem Babylonier einst nicht die Hand reichen (Joma 9b)! — andererseits mochte es die Palästinenser gar tief verletzen, daß die Babylonier gerade in Hinblick auf jene, wie es scheint in der That aus der Hefe des Volkes hervorgegangenen Einwanderer, ״durch deren Ausscheiden Babylon so rein wie das feinste Mehl geworden sein soll" (Kiddusch. 69d), edlem Blutes und reinerer Abstammung als jene sich rühmten und etwas hochmüthig auf sie herabsahen. Mochte doch der Babylonier Sein auf den Vorschlag seines Lehrers, R. Jochanan, sein Schwiegersohn zu werden, aus gedachtem Grunde nicht eingehen, was diesen auch empfindlich verletzte. ״Unsere Lehre", sagte er zu dem stolzen Babylonier, ״dünkt euch tadellos, aber unsere Töchter nicht. Glaubt ihr׳ denn, daß Esra euch nicht noch Unwürdige genug zurückgelassen hat?" (Kidd. 71b). Hierauf gründet sich wohl auch der den Babyloniern oft gemachte Vorwurf des Stolzes, von dem ihnen R. Simeon ben Jochai nicht weniger als neun Maß (תשעה קבץ) zuschreibt (Synhed. 24a). Außerdem mochten die Babylonier wohl auch an allgemeiner Bildung und äußerer Tournüre ihren Brüdern in Palästina, die durch ihre nur allzu nahe Berührung mit den Römeyn und Griechen von diesen hierin viel lernen konnten, erheblich nachstehen. Daher waren die babylonischen Jünglinge im gelobten Lande, bevor sie sich daselbst gewissermaßen palästinisirt hatten, vielfach die Zielscheibe des Bolkswitzes und mußten für die mitgebrachte Naivität oft derb büßen. Sollen doch nach Jerus. Berach. 2, 7, der so manches Anekdötchen hierüber zu erzählen weiß, die Pfeile Jochasin (vgl. auch Maimonides' Einleitung zu Seralm) schvn R. Jvch. den Anfang gemacht haben soll.

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