Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 8
- Article
- R. Jochanan ben Napcha
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829178-2829187-2853898--02413-2853917- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
288 R. Jochanan -en Napcha. daß er gleich dem scharfsinnigen R. Merr von den Zeitgenossen nach seiner Tiefe nicht erfaßt werden konnte; und vielleicht mag dieses die Veranlassung gewesen sein, daß er nur kurze Zeit dessen Vorträge anhörte ^). Dagegen war R. Janai (nach jer. Ketub. 9, 5 u. Bab. batra 143 s) einer seiner Hauptlehrer, den er auch sehr oft citirt 3 4). Auch Chiskia, Sohn des R. Chia, gehört zu seinen Lehrern, der die geistige Größe des jungen Mannes in ihrem ganzen Umfange bereits erkannte und anerkannte. ״Der scheint mir ein höheres Wesen zu sein", rief er oft entzückt über den Scharfsinn des R. Jochanan aus (Sabb. 112b, Erub. 24s). Wie glänzend indeß sich auch sein von Natur reich begabter Geist unter den berühmtesten Autoritäten seiner Zeit entfaltete, so stand er doch einst nahe daran, der Wissenschaft, deren Stolz er werden sollte, den Rücken zu kehren. Das kleine, väterliche Erbe war nämlich bereits während der Zeit der Jüngerjahre aufgezehrt, und, wie er sich später in süßer Rückerinnerung ausdrückte, für das Schöpsungswerk der vierzig Tage (Thora) das zur Schöpfung von sechs Tagen Gehörige hingegeben, und nun traten Sorge und Noth an den armen Jüngling heran mit der Frage: wovon leben? Noch, ohne volles Bewußtsein dessen, was Drang seines Geistes und Neignng seines Herzens war, und darum auch ohne die Kraft, jenen beiden feindlichen Mächten der harmlosen Jugend in rechter Weise zu begegnen, ließ er sich fast willenlos von einem seiner Jugendfreunde, Jlfa, einem geistreichen, aber auch etwas zu frischen, lebhaften jungen Manne, verleiten, gemeinschaftlich das Studium mit dem Geschäftsleben zu vertauschen. Allein kaum war die neue Bahn betreten, als unser Jüngling die tiefste Reue über den gethanen Schritt empfand und sich seines höhern Berufes erst recht bewußt wurde. Mit dieser bessern Kenntniß seiner selbst erwachte auch in ihm jene geistige Kraft, die mächtiger als äußere Verhältnisse und Umstände ist und mit den Hindernissen wächst. R. Jochanan kehrte zurück zur Wissenschaft, während Jlfa auf der 3) Vgl. Erub. 53 a. 4) Auch ein Schüler des N. Jochanan hieß N. Janai, in j. T. (Berach. 3, 1 u. a. a. O.) ר׳ ינאי זעירא genannt. Wahrscheinlich ist dieser ein Enkel unseres N. Janai. Vergl. Pesikta de N. Kahana Cap. 17 (ר׳ ינאי בר׳ ש&עון בר׳ ינאי).