Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 8
- Article
- R. Jochanan ben Napcha
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 3)
- Language
- German
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R. Jochanan ben Napcha. 287 Großvaters wachte (Jer. Maaserot 1, 2). Sein Vater scheint Schmied gewesen zu sein, da er im babyl. Talmud בר נפחא (bab. Mez. 85b, Synhed. 96», Ketub. 25b, Maccot 5b, Chol. 54b) und noch bezeichnender im jerus. (Rosch hasch. 2, 5 und Synhed. 1, 2) בן מפח genannt wird, und hinterließ seinen Kindern ein nur mäßiges Vermögen. Die Schönheit des Knaben und Jünglings war von seltener Art. Die Mittheilungen darüber sprechen mit wahrem Entzücken davon. ״Ein Silberpokal, wie er aus der Hand des Künstlers hervorgeht, gefüllt mit Granaten, umkränzt mit Rosen, halb vom Sonnenstrahl geküßt und halb in Schatten gehüllt, das ist etwa ein Bild seiner Schönheit" (bab. Mez. 84»). ״Der Alabasterglanz seines Armes war im Stande, ein dunkles Zimmer zu erhellen (Berach. 5b). Seine Augenbrauen hingen wie zwei Schleier über dem Augenpaare, dessen seueriger Blick von wunderbarer Wirkung war und wehe dem, den er zürnend traf. Ja er wäre als das Ideal des Schönen hingestellt worden, hätte ihm nicht später der Schmuck des Mannes, der Bart, gefehlt. Doch noch glänzender als den Körper hatte die Natur seinen Geist ausgestattet, der zeitig seine Schwingen regte und seinen himmelanstrebenden Flug begann. Denn sehr frühe finden wir den Jüngling zu den Füßen des größten seiner Zeitgenossen, des R. Jehuda hanasi, sitzen, der auch wie mit prophetischem Auge die künftige Gröpe seines jugendlichen Schülers voraussah׳). Und gehörte auch dieser nach seinem eignen Geständniß (Cholin 137b) zu den schwächsten der Jünger dieses gefeierten Lehrers, so war doch der moralische Einfluß desselben auf ihn ein sehr bedeutender, indem sich in seiner edlen Seele eine hohe Begeisterung für das Studium und ein heiliger Eifer, ein würdiger Jünger dieses großen Lehrers einst zu werden und den tüchtigern Mitschülern nachzustreben, entzündete. So scheint es aus einer Aeußerung des R. Joch. (Jer. Beza 5, 2) hervorzugehen: ״Wir haben es nur darum, sagt er, in der Gelehrsamkeit zu etwas gebracht, weil es uns vergönnt war, die Finger Rabbi's zu schauen". Sowie den großen Mischnalehrer, wollte er auch den berühmten Beraita-Sammler, R. Oschaja, dessen Lehrhaus in Cäsarea war (Jer. Teruma 10, 2), hören. Er erzählt von ihm. 2) Vgl. Pesachim 3b, nach einem Referate. 22*