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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 7 · p. Seite 254

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 7
Article
Zur Charakteristik neuerer Reisebeschreibungen
Date
1855-01-01
Page
Seite 254 (sequence 5)
Language
German
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254 Zur Charakteristik neuerer Reisebeschreibungen. haben oder sich um die Genauigkeit der Ueberlieferung viel kümmern. Gleich allen anderen Reisendem mit Ausnahme des Herrn de Saulcy, habe ich sie über diese Gegenstände ungemein unwissend und theilnahmlos gefunden: die Sorge der Beduinen ist nur auf Piaster und Ghazis gerichtet. Ist es nun zu verwundern, wenn Saulcy, der durch immerwährende Geschenke Abu Dahuk verwöhnt hatte, von diesem Schelm betrogen wurde? Gewiß, das scharfe Auge des Erzspitzbuben hatte die schwache Seite des Reisenden wohl erkannt. Unter diesen Umständen ging also die Karawane des Herrn de Saulcy längs des Salzgebirges — des Djebel Usdum der Araber — an der südwestlichen Seite des tobten Meeres. Ein Steinhaufe, den schon Seetzen und Robinson gesehen und seiner erwähnem ziehet die Aufmerksamkeit des französischen Reisenden auf sich. Seine Einbildungskraft wird erregt und er erkennt sogleich in diesen Steinen einen Theil der Gebäude der verbrannten Stadt (Sodom). Seine Worte sind: ״Um zehn Uhr gingen wir nahe an einem kleinen Hügel vorüber, der fünfzehn Ellen im Durchmesser hatte und mit großen rauhen Steinen bedeckt war, die verbrannt zu sein schienen und welche vor einer langen unbestimmbaren Zeit einen Theil eines an die Küste stoßenden runden Gebäudes bildeten. Das Meer ist nur dreißig Ellen zu unserer Liyken, und die Bergseite nicht mehr als zwanzig in der entgegengesetzten Richtung. Der Anblick dieses Gebäudes macht auf mich einen tiefen Eindruck: und meine Gedanken richten sich nach Sodom. Ich frage Abu Dahuk, was ist dieses? ״Kasir-Kadim (ein altes Schloß)" ist die Antwort. ״Der Name?" ״Redjom-el-Mezorrhal (der Haufen gefallener Steine)". Ein Enthusiasmus verdunkelt jetzt den Verstand des Herrn de Saulcy. ״Ich für meine Person habe keinen Zweifel, spricht er, daß ich die Ruinen eines Gebäudes vor mir sehe, das einst ein Theil Sodoms war. Der Scheck Abu Dahuk ist sehr ausführlich über diesen Punkt. Wenn ich ihn frage ״wo war die Stadt Sodom?" antwortet er ״hier". ״Gehörten nicht diese Ruinen zu der verdammten Stadt?" ״Sicherlich." ״Gibt es andere Spuren von Sodom?" ״Ja, sehr viele". ״Wo sind sie?" ״Dort und dort", und er bezeichnet die äußerste Grenzei des Salzgebirges, um das wir eben herumgezogen sind, und die mit Acazien bepflanzte- Ebene, die sich durch Wadi-es Zuweirah um das Salzgebirge ausstreckt".

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