Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
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248 Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. eigentlich Celsus hiermit beabsichtigt, fährt Origenes fort, ist die Behauptung, die Welt sei unerschaffen. So möge er denn aber sagen, was ihn zu der Annahme jener Weltbrände und vielfachen Ueberschwemmungen veranlaßt? Er weiset auf die über diesen Gegenstand handelnden Dialoge Plato's hin; hierauf entgegnen wir, wir glauben dem dem Moses inwohnenden göttlichen Geiste, und daß er wahrhafter als Plato, Griechen und weise Barbaren gesprochen. Warum wir dieses glauben? Möge Celsus den Grund für seine Behauptung angeben, dann werden wir ihm unsere Behauptungen entgegensetzen Z. — ״Diese Lehre, spricht ferner Celsus, hat Moses von weisen Männern vernommen, und ihm wird der Name ״der Göttliche" beigelegt". Zugegeben, entgegnet Origenes; hätte er eine flache, nicht Weisheit und Tiefe enthaltende Lehre seinem Volke mitgetheilt, so würde ihn mit Recht ein schwerer Vorwurf treffen. Wenn er aber, wie du selbst sagst, weisen und wahrhaften Meinungen beigeftimmt und sie den Seinigen gelehrt hat, welche Anklage ist gegen ihn zu erheben? Möchten doch Epicur und der gegen die Vorsehung minder ungerechte Aristoteles und die einen körperlichen Gott behauptenden Stoiker auf diese Meinung gehört haben, dann würde nicht die Welt mit Meinungen überschwemmt worden sein, deren manche die Vorsehung ganz in Abrede stellen, andere ste nur theilweise zugeben, andere — wie die stoische — einen körperlichen, wandelbaren, allen Veränderungen unterworfenen Gott annehmen. — ״Diesem Moses, fährt Celsus fort, folgten Ziegen- und Schafhirten, und durch grobe Kunststücke getäuscht glaubten sie es gebe Einen Gott". Möge er uns beweisen, entgegnet Origenes, daß diesen einfältigen Ziegen- und Schafhirten gegenüber, die von der Anbetung vieler Götter zu der Eines Gottes abgefallen sind, die Vielgötterei der Griechen sich behaupten kann. Ist es nicht bei der 3) Die Weltbrände und vielfachem Ueberschwemmungen waren Ergebnisse philosophischer Theorien und wurden von Stoikern und'andern Secten häufig,- besprochen. Als reine Speculationen haben sie keinen Werth, und auch die in dem vor. Jahrh. anstauchenden Hypothesen der Vulcanisten und Neptunisten waren nicht von nachhaltiger Bedeutung. Erst die neuere Geologie hat wirksamer durch Versteinerungen, Jsaurien und andere antediluvianische Thiere ff. viele durch den Niederschlag der Gewässer verursachte Weltumwälzungen nachzuweisen versucht. Dieses thut aber der mosaischen Urkunde durchaus nicht Abbruch: sie spricht von der Welt in ihrer jetzigen Gestalt; und es haben die hervorragendsten Geologen in den neuen Entdeckungen die Bestätigung der mos. Schöpfungsgeschichte gesunden.