Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
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Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. 245 Bemerkenswerth ist, daß Justin selbst manchen christlichen Parteien alles Schlimme nachsagt und sie vieler Laster fähig hält (p. 114. 116). Es möge daher hier eine Anekdote Platz finden, die (Schabbat 116) von einem christlichen Richter erzählt wird. In der Nachbarschaft der Ema Schalom, Gattin des R. Elieser und Schwester des R. Gamaliel, wohnte ein Philosoph"), der unverdient im Rufe der Unbestechlichkeit stand. Ema Schalom und R. Gamaliel beschlossen ihn zu entlarven, und so ging jene zu ihm, brachte ihm einen goldenen Leuchter und sprach: ich will daß mir ein Theil von dem väterlichen Erbe gegeben werde. Der Richter befahl, man gebe ihr einen Theil. R. Gamaliel wendete ein, es heißt in der Lehre (4. B. M. 27, 8 ff.): die Tochter erbt nicht wenn ein Sohn da ist. Jener antwortete, seitdem ihr aus eurem Lande verstoßen seid ist die Lehre Mosis abgeschafft und eine andere gegeben worden, nach welcher Sohn und Tochter zugleich erben. Am andern Morgen brachte ihm 91 Gamaliel einen ly bischen Esel. Der Rechtsfall wurde nochmals aufgenommen und der Richter sagte: Leset weiter, es heißt, ich bin nicht gekommen von der Lehre Mosis Etwas wegzunehmen. Da sagte Ema Schalom lächelnd zu ihm, möge dein Licht leuchten wie ein Leuchter (anspielend auf ihr Geschenk); worauf R. Gamaliel: der Esel hat den Leuchter umgestoßen. Spuren von Religionsgesprächen sind aus etwas späterer Zeit bei Origenes (3. Jahrh.) wahrzunehmen. Er erzählt'), daß er mit gelehrten Juden über Jesaias 53 disputirt habe. Diese behaupteten, diese Prophezeihung beziehe sich auf das unter den Völkern zerstreuete und von ihnen verfolgte israelitische Volk, das das Wort Gottes verkündet und verbreitet. An einer andern Stelle^) berichtet er, daß er sich mit gelehrten Juden besprochen und Niemand von ihnen zugeben wollte, daß unter dem in der Schrift vorkommenden ״das Wort Gottes" ״der Sohn Gottes" verstanden werden könne. Nicht ohne Interesse dürste auch die Erwähnung der Streitschrift des Celsus und der Entgegnung des Origenes sein. Celsus, dessen Person 8) Ueber diese Benennung vgl. vvr. Heft S. 212. 1) Origenes contra Celsum p. 42. Cantabrig. 1663. 2) Das. p. 79.