Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829178-2829186-2853827--02352-2853849- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. 243 Lie Verfälschung der Schrift auf sie einen höchst peinlichen Eindruck machen. Wie bekannt war die Schrift, wenigstens der Pentateuch, schon im 2. Jahrh. vor der übl. Zeitr. in Alexandrien ins Griechische übertragen worden. Die Uebersetzer gingen aber nicht mit ganzer Geüauigkeit zu Werke; auch schlichen sich allmälig durch Nachlässigkeit der Abschreiber viele Zusätze und Irkthümer ein. Da überdieß ein authentisch recipirter Text nicht vorhanden war, so war der Willkürein freier Spielraum gelassen°). Die Juden faßten endlich gegen diese unter dem Namen Septuaginta bekannte und früher van ihnen geachtete griechische Uebersetzung (vergl. Megilla 9) einen-tiefen Widerwillen, und es verfaßte als Gegengewicht M Proselyt Aquila aus Pontus (vergl. oben S. 178) eine ungemein wortgetreue Uebersetzung. — Die Juden mußten von den des Hebräischen unkundigen und nur den verfälschten griechischen Text der Septuaginta kennenden christl. Gegnern den Vorwurf hören, sie haben den Text verfälscht und die für das Christenthum deutlich sprechenden Stellen ausgemerzt °)! Als höchst bemerkenswerth für das Alter der Sagen führen wir an, daß von Justin (p. 400) den Juden vorgeworfen wird, sie haben die Erzählung ״der Prophet Jesaias sei zersägt worden" aus ihren heiligen Schriften getilgt. Dieses ist eine Sage, von der berichtet wird, sie fei auf einer zu Jerusalem gefundenen Rolle verzeichnet gewesen (Jebamot 49); und diese Sage hatte sich so sehr verbreitet, daß sie, wie aus Justin zu ersehen, von einer Seite als biblisch betrachtet wurde. Dieses nun sind die Ausgangspunkte der Polemik, die zu der Zeit Justins den Juden noch wenig gefahrbringend war: Juden und Christen bildeten so lange Rom heidnisch war je nach den Eingebungen des jedesmaligen Imperators gleichbe- 5) Vgl. Vorstudien zu der Septuaginta §. 8. §. 10 Anmerk. a. 6) Als eine Probe der eingesälschten Stellen führen wir an: In Esra hieß es, sagt Justin p. 242: ״Und Esra sprach zum Volke: Dieses Pascha (Osterlamm) ist unser Netter und unsere Zuflucht. Wenn ihr nun Einsicht habt und es in euer Herz sich senkt, daß wir ihn einst auf dem Kreuze werden leiden lassen und dann zu ihm hoffen werden, so wird dieser Ort in Ewigkeit nicht verödet werden, spricht der Herr der Heerschaaren. Wenn ihr aber nicht glaubet und auf die Verkündigung nicht höret, so werdet ihr ein Spott den Völkern werden." Eine ähnliche Stelle vgl. das. p. 246. Man ist schon lange darüber einig, daß nur die ungemeine Unwissenheit Justins ihn die Echtheit dieser Stellen glauben machen konnte. 19*