Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Ein Erklärungsversuch des achtundsechzigsten Psalms
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 12)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 235 versprach, das in höchster Gefahr schwebende Israel zu retten, damit es Zeuge seiner Rache sein könnte. Es wäre hier statthaft, die Fiction eines Orakels anzunehmen, welchem aber die ähnlichen Prophezcihungen des Jesajas (Jes. 10, 26, 27 u. 2. Kön. 19, 32—34) zu Grunde lägen und wobei jene Stelle in Amos frei benutzt und umgebildet sein könnte. Auch braucht es überhaupt nicht Orakel zu sein, sondern nur den Gedanken Gottes vor der Aussührung darzustcllen. — Die Mccrestiefe ist ein natürliches Bild für überwältigende Noth (Ps. 69, 3). Das Baschangebirge kann wohl wegen ״der gewaltigen Stiere Basch ans" (Ps. 22, 13) zu demselben Zwecke gebraucht sein. Bei dem ״Zurückführen" ist auch an die aus der Gefangenschaft zurückgekehrten Israeliten zu denken. Außerdem bedeutet die Phrase nur: Aus ungeheurer Bedrängniß erretten. V. 24. מחץ ist hier und Num. 24, 8 — חמץ (Jes. 63, 1), hochroth färben (Kimchi). Diese Bedeutung rechtfertigt sich auch .durch das arabische מחץ, blinkend, glänzend machen. מנהו von der Präp. מן abzuleiten und auf 27 zu beziehen (Ewald) ist ganz unzulässig. Es ist vielmehr mit den Alten von מן — מן, Geschenk, Habe, Antheil abzuleiten und das Suffix (vergl. Gen. 1, 12) auf י^שון zu beziehen, welches gen. commun. Wenn מנה (Dan. 1, 5) in der Bedeutung mit dem nöthigen Antheil versorgen mit dem Accus, d. Pers. verbunden werden kann, so könnte man מנהו als Verbum arischen und die zweite Hälfte des Verses als Anrede des Dichters an das Volk übersetzen: die Z. d. H. hat er von Feinden (mit Feindesblut) versorgt. —׳ Jedenfalls bezieht sich die Stelle nach unserer Auffaffung auf den Untergang des Assyrerheeres, dessen Leichen in der Nähe von Jerusalem zerstreut lagen (2. Kön. 19, 35). V. 25—36. Israel hat Gottes wunderbare Leitung gesehen und einen Festzug veranstaltet, dem sich auch fremde Könige und Gesandte angeschloffen haben. An jede Abtheilung des Zuges knüpft der Dichter seine Bemerkung. Zuletzt werden auch die abwesenden Völker, als ob sie gleichfalls an der Feier Theil nähmen, zum Preise Gottes und zur Anerkennung Israels aufgefordert. V. 25. הליכות hier durch Festzug zu übersetzen, erscheint matt und unzulässig wegen der emphatischen Wiederholung und des beigefügten בקדש, das auch V. 18 nicht im Heiligthum (Tempel) bedeutet. Vielmehr werden hier und Ps. 77, 20 wunderbare geschichtliche Ereignisse als offenbare Beweise seines Wirkens Bahnen, Spuren Gottes genannt. V. 26. Dem Zuge voran gehen Sänger und Saitenspieler, um-