Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 6 · p. Seite 226

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 6
Article
Ein Erklärungsversuch des achtundsechzigsten Psalms
Date
1855-01-01
Page
Seite 226 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829178-2829185-2853779--02331-2853808
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

226 Wissenschaftliche Aufsätze. Gemeinde majestätisch durch die Wüste einherzog, zitterten Himmel und Erde vor der riesig großen Erscheinung des Allmächtigen; nur die müde, kranke Geliebte badete gesund in dem Lebensthau, den Er aus sie niederträuselte. Mächtige Könige mit ihren Schaaren warf Er zu Boden, damit Sein Täubchen sich mit den von ihnen erbeuteten Schätzen schmücken und in ihren Ländern ruhig wohnen könnte. Die großen Berge verschmähend, wählte Er den niedrigen Morijah, die großen Reiche verwerfend, das kleine Ihm nicht einmal treu ergebene Israel zu Seiner Wohnstätte, und der Eroberer des gesegneten Landes ließ sich von den damit Beschenkten nachher auf menschliche Weise mit Opfern beschenken. — Dieser Gott unterstützt uns Tag für Tag, und Seiner Allmacht ist keine Hülfe unmöglich. Nur Er kann den mächtigen und übermüthigen Feind stürzen, und als Er die anscheinend rettungslos Verlorenen zu erhalten verhieß, war das Land auch schon mit Feindesleichen bedeckt. — Da die Geretteten jetzt Sein wunderbares Walten gesehen, haben sie Ihm einen Festzug veranstaltet: Sänger und Saitenspieler mit Tambourin schlagenden Jungfrauen führen den Zug an und fordern das Volk auf den Herrn in Gemeinschaft zu preisen. Dann folgen verschiedene Stämme Israels, um Ihm für den wunderbaren Sieg zu danken, der Sein Werk allein ist. Selbst fremde Könige bringen Gott ihre Huldigung dar, Edle von Mizrajim und Kusch wollen Ihn anbeten; nur der übermächtige, Gott gegenüber freilich schwache Feind, welchen der Herr bald ganz vernichten möge, stört durch seinen Uebermuth noch die friedliche Ruhe der Völker. So mögen alle Nationen Gott preisen, der im Himmel thront, sich an Israel offenbart und seinem Volke Macht und Sieg verleiht. -— Der Psalm zerfällt demnach in vier scharf abgegrenzte und doch eng mit einander verbundene Strophen, deren letzte in ein paar Schlußverse verhallt: Str. I. V. 2—7 gibt das allgemeine Thema: Gottes Allmacht ein Schrecken für die Starken (V. 2, 3, 5), ein Hort der Schwachen (V. 4, 6, 7). Str. II. V. 8—19: Begründung dieses Satzes in der Geschichte durch die Gegensätze a) der erhabenen Natur und des schwachen Menschen (B. 8—11), b) der mächtigen Könige und des schwachen Israel (V. 12—15), c) der großen Reiche und des kleinen Jerusalem. Str. HI. V. 20—24: So hat sich uns Gott zu jeder Zeit und auch diesmal an dem übermüthigen Feinde bewährt. Str. IV. V. 25—36: Beschreibung des Festzuges mit der Aussorderung an alle Völker, Gott zu preisen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.