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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 6 · p. Seite 225

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 6
Article
Ein Erklärungsversuch des achtundsechzigsten Psalms
Date
1855-01-01
Page
Seite 225 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Wissenschaftliche Aufsätze. 225 Sieg genannt werden konnte, durch ein Dankfest im Tempel gefeiert worden, und der Annahme, daß sich die anderen von Sanherib besiegten oder bedrohten Völker, insbesondere Kusch und Mizrajim, daran betheiligt haben, steht Nichts entgegen. Noch wahrscheinlicher ist cs, daß die im Lande zuriickgebliebenen Bürger des ehemaligen Reiches Israel, die sich acht Jahre nach Schomrons Fall gewiß ihrer Stammesange- Hörigkeit noch deutlich bewußt waren, nach Jerusalem zusammengcströmt seien, um mit ihren Brüdern vereint für deren und ihre eigene wunderbare Rettung Gott zu danken. Vielleicht hatten auch israelitische Kolonisten den günstigen Moment wahrgenommen, um aus den ihnen aufgenöthigten neuen Wohnsitzen in ihre alte Heimath zurückzukehren, wie dies mit Sicherheit von den neuerdings aus den eroberten judäischen Festungen fortgeführten Gefangenen angenommen werden kann. In feierlicher Proceffion zog dann wohl der König Hiskiah, der selbst zu gleicher Zeit sein Genesnngsfest beging, an der Spitze seines Volkes und der hinzugekommenen Fremden in den Tempel, um die vom Herrn an ihnen gewirkten Wunder in Dankgebeten zu verherrlichen. Denn nach solcher Kundgebung seiner dankbaren Gefühle scheint sich der fromme König schon nach dem vorläufigen Abzüge der Assyrer gesehnt zu haben, als er während seiner Krankheit, die Verheißung des Propheten wiederholend, ein Zeichen forderte, ״daß er am dritten Tage werde zum Gotteshause hinaufgehen können" (2. Kön. 20, 8). — In dem vorliegenden Psalm erblicken wir einen aus dieses Nationalsest bezüglichen Hymnus, und alle seine Einzelheiten werden uns ebenso erklärlich wie fein Zusammenhang innerlich nothwendig erscheinen, wenn wir die eben entworfene Skizze der Berührungen, welche vor jener Zeit zwischen Israel und Assyrien stattgesunden hatten, genau im Auge behalten. Die Aufeinanderfolge der Gedanken und Empfindungen, welche dem Gedichte zu Grunde liegen, stellt sich uns in folgender Weise dar: Dem von der Erhabenheit der Situation mächtig ergriffenen Dichter treten sogleich die zwei entgegengesetzten und einander ergänzenden Seiten des wunderbaren Ereignisses vor die Seele: hier die mühelose Schnelligkeit, mit welcher der Allmächtige seine Feinde zu Boden geworfen, dort die liebende Fürsorge des Allgütigen, der, jeder Zeit ein bereiter Helfer der Schwachen, sich auch diesmal der bedrängten Frommen angenommen, Gefangene befreit und Versprengte zur Heimath geleitet hat. Aber dieselbe Vereinigung schauererweckender Allmacht und gütig herablassender Fürsorge für das erkorene Volk hat Er schon an den Anfängen dieses Volkes bewährt: Als Er damals vor Seiner

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