Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 9)
- Language
- German
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Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. 213 er neben seinem Gesetzgeber (Moses) und den Propheten der Philosophie bedürfe? Auf Tryphons Bemerkung (p. 7), daß die Philosophie doch auch ihren Nutzen habe, da sie sich mit Gott beschäftigt, über seine Herrschaft belehrt u. s. w. wird nachgewiesen, wie die verschiedenen Systeme mehr geeignet sind zu verwirren als aufzuklären. Diese Belehrung sei ihm durch einen alten Mann geworden, dem er einst in Meditationen vertieft auf einsamem Wege begegnete, und dieser habe ihm zugleich erklärt, daß die eigentlichen Wahrheiten über Gott ff. durch die Propheten gelehrt worden seien, zu diesen und dem Christenthum bekenne er sich: und Justin von diesen Worten ergriffen habe ebenfalls sich dem Christenthum zugewandt. Auf Tryphons Einwendung, daß er diesem Gotte der Propheten nicht anhänge, da er dessen Gebote nicht beobachte, beginnt Justin seine Beweisführung, die zugleich das Unhaltbare des Judenthums documentiren soll. Mit der Beschneidung wird begönnen. Sie ist dem Abraham als Zeichen gegeben (p. 57), ״damit ihr von anderen Völkern und uns unterschieden seiet, und damit ihr allein das erleidet was ihr erleidet, damit euer Gebiet in eine Einöde umwandelt werde wie es jetzt umwandelt ist, euere Städte durch Feuer zerstört werden, euere Früchte Andere verzehren und Keiner von euch nach Jerusalem hinaufgehen darf""). — Wo so argumentirt wird ist freilich jede Antwort überflüssig, weil vergebens: und wenn Trypho nur hier geschwiegen hätte, so wäre gegen solche Schweigsamkeit nichts einzuwenden. Justin vergißt sogar, daß nach dieser Argumentation selbst Abraham, an den der Befehl zur Beschneidung erging, verantwortlich gemacht wird'. Doch mehr Interesse hat für uns die von Justin als Demonstration aufgeworfene Frage, warum wurde Adam mit einer Vorhaut erschaffen? Diese Frage stellte nach dein Midrasch (Ber. rab. c. 11) ein Philosophד) an R. Osch<1ja, welcher entgegnete, ״eine häufige Wahrnehmung lehrt, daß erst die nachhelfende, veredelnde Hand vielen Gegenständen Vollkommenheit gebe: so tritt es hervor bei Pflanzen ff, und ein ähnliches Verhältniß zeigt sich hier beim Menschen". Es liegt außer dem Bereiche dieses Aussatzes, das Ganze der 6) Durch ein Verbot Hadrians nach Beendigung des Krieges. 7) Philosoph, diese Benennung für Christ, christliche Gelehrten, kommt im Talmud (vgl. Schabbat 116 ff.) nicht selten vor.