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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 6 · p. Seite 212

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 6
Article
Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
Date
1855-01-01
Page
Seite 212 (sequence 8)
Language
German
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212 Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. Doch ist nicht ohne Interesse manche hier als allgemein unter den Juden gangbare angeführte Schriftauslegung, den christl. Angriffen gegenüber zu vernehmen und aus ihnen der Stand- Punkt der Polemik zu erkennen. Justin legt gerade keine besonderen Proben eines zum religiösen Kampfe befähigten scharfsinnigen Geistes ab: seine Argumente schon an sich auf mißverstandenen Bibelstellen beruhend, machen durch seine Umdeutungen die von ihm angeführten Stellen zum völligen Zerrbild. Das oben (v. H. S.174) bemerkte Streben, die alten Göttersagen im uneigentlichen Sinne und in mystischer Weise auszufassen, wurde von den zur neuen Lehre sich Wendenden auf die heil. Schrift übertragen: der geistige Inhalt zog an, und man suchte auch das Natürliche, das was sie als Wirkliches, Auszuführendes vorschrieb, als geheimnißvolle Hinweisung zu erklären, als ein unter einer äußern Hülle verborgenes Mysterium, das sobald dessen Sinn erfaßt ist die Ausführung überflüssig, sogar zur widergesetzlichen mächtig. Aber selbst bei diesem Deuten und mystischem Auffassen wollte zuweilen der natürliche Sinn sich nicht verdrängen lassen; da mußte denn ein anderes Mittel aushelfen: diese Gesetze seien den Juden wegen ihres verstockten Herzens gegeben, und haben also für Andere nicht bindende Kraft. — Dieses sind die Argumente, die sich durch die christl. Polemik dieser Periode ziehen: ursprünglich wurden sie als Abwehr angewendet, die Juden machten den das A. T. als den Grundstein des N. T. als göttlich anerkennenden Christen deren Nichtbeachtung der alttest. Gesetze zum Vorwurfe: bald jedoch wandelten sie sich in Angriffe um und es wurde mit Bitterkeit darauf gedrungen, daß diese Auffassung die allein richtige sei. Diese Bitterkeit ist auch bei Justin, der manchen Zug von Sanftmuth verräth, nicht zu verkennen. — Sehr Lemerkenswerth ist der Ausgangspunkt des Gespräches mit Trypho. Trypho wird als aus philosophischen Boden stehend eingeführt: er erkennt in Justin dem Gewände nach einen Philosophen: und da er solche Gesellschaft liebt nähert er sich ihm. Justin fragt ihn, als er sich als Jude zu erkennen gibt, wozu heftigen ר׳ טר&ון zu. denken (vergl. auch Schabbat 116) ist zu lächerlich, um auch nur mit einigen Worten daraus einzugehen. 5) Die Ebioniten, die neben der Anerkennung Jesu als Messias die Gesetze betbehielten, wurden schon zeitlich von Vielen als Nichtchristen angesehen (vgl. Dialog p. 151) und endlich ganz ausgeschlossen.

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