Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 6)
- Language
- German
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210 Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. Ehe wir jedoch zu diesen Religionsgesprächen, wo eine Partei die Auffassung der andern ganz negirte, übergehen, mögen noch einige Colloquien zwischen den Juden und einer andern Partei erwähnt werden, die die unauflösbare Gültigkeit der Gesetze der Schrift anerkannte, aber in der Auffassung mancher Gesetze sowie hinsichtlich der Authenticität des recipirten Pentateuchs bedeutend abwich. Die Samaritaner waren von dem Hasmonäer Jochanan Hyrcan besiegt und ihr Gebiet dem Reiche einverleibt worden; doch glimmte der alte religiöse Dissens noch in mancher Hinsicht fort, wenn er auch nicht zum eigentlichen Ausbruche kam: die Samaritaner beobachteten viele Gesetze mit großer Genauigkeit und wurden von mancher Seite als wahrhafte Proselyten betrachtet. Ueber ihr Verhalten bei dem mit der Zerstörung des Tempels verbundenen Untergang des jüd. Staates ist nichts näher bekannt;: bei dem Aufstande des Barkochba gegen Hadrian scheinen sie auf der Seite des Letztern gestanden zu haben. Ihr ״Buch Josua" erzählt von einem Verrathe, den zwei samaritanische Brüder begingen und durch ihn den schon entmuthigten Hadrian zur Fortsetzung des Krieges aufmunterten °). Hierdurch war die gänzliche Spaltung vorbereitet, und sie wurde von dem nicht lange hierauf lebenden R. Mei'r bei einer Veranlassung gesetzlich ausgesprochen. Auch der Samaritanische Pentateuch, mit dem die jüd. Gelehrten um diese Zeit näher bekannt wurden, scheint hierzu beigetragen zu haben. Dieser Pentateuch (5 Bücher Mosts), außer welchem die Samaritaner eine eigentlich biblische Schrift nicht besitzen weicht an vielen Stellen von unserm Pentateuch ab und trägt allenthalben Spuren der theils absichtlichen, theils durch Nachlässigkeit entstandenen Verfälschungen. So suchten die Samaritaner, deren Hauptort Schechem (Nablüs) war, dieser Stadt durch häufige Erwähnung in der Schrift ein heiliges Ansehen zu vindiciren und setzten 5. B: M. 11, 30 zu אילוני מורה das Wörtchen hinzu. R. Eleafar ben Simon polemisirte hiergegen und wies einigen gelehrten Samaritanern nach, daß sie 6) Samarit. Buch Josua K. 47. Sie theilten Hadrian durch ein über die Mauer zugeworfenes Schreiben mit, wie er den Belagerten die Zufuhr abschneiden könnte. In dem Buche Josua wird dieses rühmend erwähnt. 7) Sie geben zwar ihr Buch Josua für authentisch aus; es bedarf aber nur eines Einblickes in dasselbe, um es als ein elendes späteres Machwerk zu erkennen.