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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 6 · p. Seite 209

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 6
Article
Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
Date
1855-01-01
Page
Seite 209 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. 209 verschieden von der bisher Fragenden gewesen zu sein, oder sie stand schwankend zwischen Heiden-, Juden- und Christenthum. R. Jose antwortete ihr: es heißt ״und er war nicht da" (1. B. M. das.): dieses׳ zeigt aus Gestorbensein (Beresch. rab. 25). Die Zeit des früheren Christenthums. Die bisher angeführten Gespräche zeigen mit geringer Ausnahme (den Samaritanern) keine Spur von Erbitterung oder fanatischer Gereiztheit: der Kampfplatz war ein ausgedehnter, und es lag nicht in der Absicht der Angreifenden, den Gegner aus seiner Stellung zu verdrängen. In der Periode zu der wir nun gelangen verengt sich die Wahlstätte: beide Parteien stehen auf demselben Boden, jede will ihn ausschließlich für sich behaupten, er hat nicht Raum für beide! In der vorigen Periode konnten die Juden sich nicht auf die Offenbarung berufen, sie wurde nicht von ihren Gegnern zugestanden, sie verblieb aber dafür ihr eigentliches Eigenthum: in der Zeit zu der wir jetzt gelangen wird die Offenbarung selbst, das wofür sie durch den Lauf der Jahrhunderte beharrlich gekämpft und der heidnischen Uebermacht den aufopferndsten Widerstand entgegengesetzt hatten, gegen sie als verwundende, tief schneidende Waffe gewendet, sie sollen auf dem heimischen Boden des ererbten väterlichen Gesetzes als Fremde und Unwürdige erscheinen! Der Angriff war zu gewagt, als daß, so lange nicht der weltliche Arm sein Brennusschwerdt in die Waage warf, die Juden an einen ernstlichen Widerstand denken sollten. Diese Periode hat daher auch nur wenige Religionsgespräche in den talm. Quellen; die Gegner mochten begreifen, daß den Juden gegenüber ihre Argumente doppelt verlieren mußten: sie beruheten auf Unkenntniß der Schrift in ihrer eigentlichen Sprache, ferner auf mystischer Umdeutung der Gebote und der biblischen Begebenheiten: und mochte man auch von einer Seite hierin die AussöhnuNg und Ausgleichung mit dem eigentlichen Schriftsinn finden, so konnte diese Auffassungsweise doch nicht den Juden aufgedrungen, konnte nicht mit überzeugender Kraft als die alleingültige hingestellt werden. Aber weil der Sieg nicht auf dem Gebiete des Geistes zu erringen war, darum trat die Leidenschaft an die Stelle des geistigen Kampfes, und es drängt sich bald die schmerzliche Ahnung auf, welchen Ausgang er nehmen, mit welchen blutigen Zügen er sich in der Geschichte der Menschheit einzeichnen werde.

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