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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 6 · p. Seite 208

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 6
Article
Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
Date
1855-01-01
Page
Seite 208 (sequence 4)
Language
German
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208 Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. größerer Tadel, da sie erwachsen und im väterlichen Hause waren: würde also die Schrift, so Joseph unterlegen, es nicht offen gesagt haben, da er, der unerfahrene in der Fremde weilende Jüngling, doch wohl leichter zu entschuldigen?" (Beresch. rab. 87). — Auf die zu Daniel 2, 21 ״Er gibt Weisheit den Weisen" von dieser Frau gemachten Bemerkung, es wäre doch wohl noch rühmlicher, wenn er den Thoren Weisheit gäbe, erwiderte R. Jose: ״Er gibt Weisheit denen die empfänglich für Weisheit sind" und legte ihr an einem Beispiele sinnreich dar, daß man nur Dem Gut anvertrauet, von dem man sicher ist, er werde keinen unwürdigen Gebrauch davon machen (Jalkut Job 919). — Den Spruch Kohelet 3, 21 ״der Geist des Menschen steigt hinauf, der des Thieres führt hinab" erklärte er ihr, das Erstere beziehe sich auf den Frommen, das Andere auf den zum Viehe in materieller Entwürdigung herabgesunkenen Bösen (Jalkut Kohelet z. St.). — Wir heben noch folgende Frage hervor, die im Munde dieser Frau, die in den bisher gedachten Fragen,als in den Kreis des Offenbarungsglaubens nicht eingetreten erscheint, ungemein Auffallendes hat, da sie sie als auf dem Boden des Christenthums stehend kennzeichnet. Man findet bei Chanoch nicht daß er gestorben sei (vgl. 1. B. M. 5, 24), sagte sie zu R. Jose. Als Frage scheinen diese Worte ganz bedeutungslos, und es hätte ihr mögen eine solche Auffassung zugestanden werden: nehmen doch selbst babylonische Midraschim aus späterer Zeit an, Chanoch sei lebendig ins Paradies gekommen! Doch in früherer Zeit scheint dies einen ungemeinen Differenzpunkt zwischen Juden und Christen gebildet zu haben; Letztere mochten hieraus nicht nur einen Beweis für die Auferstehung ihres Lehrers abgeholt, sondern — wie häufig in biblischen Bildern und Erzählungen (vergl. weiter) — in Chanoch einen Prototypus desselben erblickt haben. Daher wurde in Palästina, wo Juden und Christen sich gegenüber standen, diese Auffassung noch im 4. Jahrh. perhorrescirt ff. Die Frau, die die gedachte Bemerkung machte, scheint entweder 6) Beresch. rab. 25. In Babylon, wo die Juden nicht in christlicher sondern in persischer Umgebung wohnten und christliche ConLroverse wenig kannten (vgl. weiter), hatte die Auffassung, Chanoch sei lebendig ins Jenseits getreten, nichts Verfängliches; daher sie von den babyl. Midraschim beliebt wurde. Vergl. Mehreres Ueber den Einstuß der paläst. Exegese S. 44 Anmerkung ä. .

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