Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ein Erklärungsversuch des achtundsechzigsten Psalms
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
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196 Wissenschaftliche Aussätze. stürzenden Reiches Israel daran erinnert haben, in dein Bruderreiche theils eine Zufluchtsstätte, theils eine Stütze und Schutz gegen völlige Zersplitterung zu suchen. Der gottgefällige König Hiskia selbst hatte sich stark genug geglaubt, das voll seinem Vater übernommene Vcrhältniß einer schimpflichen Abhängigkeit von Assyrien zu lösen (2. Kön. 18- 7), und auch der siegreiche Salmanassar war nicht im Stande, ihm dasselbe wieder aufzuzwingen. ׳ Ebensowenig scheint der Feldherr Tartan, welcher um's Jahr 716, vom Assyrerkönigk Sargvn abgeschickt, Asdod eroberte, um durch Phili-stäa'nach Egypten vorzüdringen, Etwas gegen Juda unternomMen oder ausgerichtet zu haben (Jes. 20s 1). Daß Hiskia ödet doch ein grosser Theil des Landes bei dieser Empörung gegen Assyrien aus die-Unterstützung Egyptens gerechnet habe, ersehen wir aus der wiederholten Mahnung des Propheten Jesaias, aus Gott und nicht aus Egyptenzu vertrauen und aus den Worten des Nabschake (2. Kön. 18, 21). Bei der Lage Pälastina's zwischen diesen beiden damals mächtigsten Reichen mußte auch die gottverlassene Unselbstständigkeit, wenn sie von der Uebermacht des einen Staates bedroht wurde, in -dem andem -ihren natürlichen Bundesgenossen und Helfer erblicken. In Wahrheit aber vermochte keine Menschenhülsc sondern der Herr allein den bald daraus über Juda hereinbrechenden Sturm abzuwenden. Als Sanherib im Jahre 713 Mit großer Heeresmacht das Land überschwemmte und die festen Plätze desselben eroberte, schickte ihm Hiskia dreihundert Kikar Silber und dreißig Kikar Gold, um ihn zum Rückzuge zu bewegen. Allein Sanherib nahm das Geld und ließ Jerusalem durch drei seiner Feldherrn belagern. - Diese wiesen in ihrer höhnenden und trotzigen Aufforderung zur Uebergabe der Stadt auf die zahlreichen und mächtigen Städtehin, die ihr Herr bereits in seine Gewalt gebracht habe und spotteten darüber, daß Hiskia auf Mizrajims Hülfe baue, -״jenes gebrechlichen Rohres, das Jedem, der sich darauf stützte, die Hand durchbohre". Den auf der Mauer stehenden Bürgern aber verhießen sie, ihr Herr würde sie im Falle freiwilliger Uebergabe der Stadt bald nach anderen ebenso fruchtbaren Gegenden verpflanzen, d. h. mit anderen Worten, er-würde sie gleich den übrigen überwundenen Völkern in's Exil führen. Diese wohl zuerst von Joseph in Egypten angewandte Politikdie Widerstandskraft eines überwundenen Volkes durch Ver- Pflanzung aus fremden Boden zu brechen, war also bei den assyrischen Königen gewöhnlich (2. Kön. Kap. 18 u. 19). Hiskiamußte diese Uebermacht des Feindes zugestehen und sandte verzweifelnd an den Propheten Jesaja die Botschast, er wäre in Nöthen ״gleich einer Krei-