Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ein Erklärungsversuch des achtundsechzigsten Psalms
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 195 in dem mächtigen Assyrerreiche suchen, dessen anschwellende Macht seit mehr als einem halben Jahrhunderte Palästina zu überstuthen drohte. Ein kurzer historischer Rückblick wird diese Annahme wahrscheinlich machen: Schon kurze Zeit nach der Thronbesteigung des israelitischen Königs Menachem (771) war der Assyrcr Phul mit großer Heeresmacht in Palästina eingefallen, und Menachem hatte das ihm drohende Unheil nur durch Zahlung der ungeheuren im Lande erpreßten Summe von tausend Kikar Silber abzuwcnden vermocht (2. Kön. 15, 19. 20). Als Pekach, ein späterer König von Israel, sich mit dem Syrer Rezin gegen Achas, den Vater des Hiskia, verbunden hatte, rief dieser den Assyrerkönig Tiglat Pileßcr zu Hülfe, indem er ihm die im Tempel und im königlichen Pallaste vorhandenen Silberschätze als Geschenk schickte. Tiglat Pileßer eroberte Syrien wie den ostjordänischen Theil des Reiches Israel und Galiläa, deren Einwohner er .aus dem Laude trieb, und ließ auch Achas , die Macht, seines Armes fühlen (2. Kön. 15, 29; 16, 6—9; 2. Cbr. 28, 16. 20. 21), indem er dessen Ansprache ״dein Knecht und dein Sohn bin ich" wörtlich verstand. Sein Nachfolger Salmanassar überzog das Reich Israel von Neuem mit Krieg und erniedrigte den König desselben, Hosea, zum tributpflichtigen Vasallen. Als dieser sich nachher mit dem egyptischen Könige Sso in Verbindung einließ und den assyrischen Tribut zurückhielt, machte Salmanassar im I. 721 dem Reiche Israel ein Ende und führte die Bürger mit ihrem Könige nach entlegenen Gegenden seines Reiches ins Exil (2. Kön. 17, 3—6). Doch ist es wahrscheinlich, daß auch nach der Zerstörung Schomrons ein Theil der Einwohner im Lande zurückgeblieben sei und stillschweigend die Herrschaft der Könige von Juda anerkannt habe. Denn als der König Jofia (640610—׳׳) das große Ncinigungswerk in seinem Reiche vollführte, zerstörte er auch die Götzenbilder in den Städten von Bianasse und Ephraim bis Naphtali (2. Ehr. 34, 6. 7); und als demselben Könige im achtzehnten Jahre seiner Regierung das im Tempel Vorgefundene Buch der Thora überreicht wurde, ließ er den Herrn für sich wie für den Rest Israels und Judas befragen (das. V. 21). Diesen Anschluß der zurückgebliebenen Israeliten an Juda hat wohl Hiskia dadurch ungebahnt, daß er bald, nach seinem Regierungsantritte (726) ganz Israel ״von Dan bis BeerMäs^zu einer gemeinschaftlichen Pessachfeier im Heiligthume zu JerusalÄj^nlud (2. Ehr. Kap. 30). Denn jene Feier, an welcher sich außer Juda' und Benjamin die Stämme Ephraim, Manasse, Ascher, Sebuluu und Jissaschar betheiligten, mochte die alten Nationalbande wieder fester geschlungen und die Trümmer des bald daraus zusammen-