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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 5 · p. Seite 194

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 5
Article
Ein Erklärungsversuch des achtundsechzigsten Psalms
Date
1855-01-01
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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194 Wissenschaftliche Aussätze. fürchten (V. 22, 31), weshalb der Dichter trotz des glücklichen Eretgniffes mehrfach eine gedrückte Stimmung verräth. An der Siegesfeier endlich, welche im Tempel zu Jerusalem stattsindet (V. 30), nehmen von israelitischen Stämmen nicht nur Juda und Binjamin, sondern auch Sebulun und Naphtali Theil (V. 28), neben diesen aber auch Abgeordnete aus anderen Königreichen (V. 30), namentlich ans Mizrajim und Kusch (V. 32). .— Wenn wir diese einzelnen Züge unserer Betrachtung zu Grunde legen, müssen wir zunächst die Möglichkeit in Abrede stellen, daß das betreffende Ereigniß zu Davids Zeiten stattgesunden habe, weil 1) David in seinen Feldzügen meist der Angreifende und immer siegreich war, Israel auch unter seiner Regierung eine mächtige, den Nachbarvölkern imponirendc Stellung einnahm, die erst lange nach der Theilung deS Reiches allmälig verloren ging; 2) David noch in keiner erweislichen Berührung mit Mizrajim und Kusch stand; 3) zu seiner Zeit keine Feier im Tempel zu Jerusalem stattsindcn konnte. Daß Salomo über- Haupt Kriege geführt habe, ist nicht wahrscheinlich, noch weniger, daß Israel während seiner Regierung von äußeren Feinden bedrängt worden sei. Gehen wir über die Theilung des Reiches hinaus, so stellt sich uns die Schwierigkeit entgegen, daß bei der Schilderung des Siegeszuges die Anführer Naphtali's und Sebnlun's neben Binjamin und Juda aufgesiihrt werden. Wollte man an einen gemeinschaftlichen Krieg beider Reiche denken, so scheinen sich hierfür nur zwei Anhaltspunkte zu bieten: der Kamps Achab's und Josaphat's gegen Aram (1. Kön. 22), der aber unglücklich ablief, und der vereinigte Kamps Jehoram's, Josaphat's und des Königs von Edom gegen Moab (2. Kön. 3), der zwar einen für Israel glücklichen Ansgang hatte, aber ein reiner Eroberungskricg war. Den Psalm aber gar mit Ewald für einen Hymnus zur Einweihung des zweiten Tempels zu halten, ist neben anderen von De Wette angeführten Gründen schon deshalb unmöglich, weil unter den aus dem babylonischen״ Exil Zurückkehrenden in den betreffenden Listen des Buches Nehemia, außer den Leviten nur einzelne Angehörige der Stämme Juda und Binjamin namhaft gemacht werden. Wenn also mit Diesen auch Inden aus dem ehemaligen Reiche Israel zurückgekehrt sind, scheinen dieselben doch keinerlei Bewußtsein ihrer Stammesangehörigkeit bewahrt zu haben. ־׳' Aus diesem unlösbar scheinenden Dilemma bietet ffch ein bequemer, bisher nicht beachteter Ausweg, der nämlich, daß wir den im vorliegenden Psalm gefeierten Sieg in die Zeit des Königs Hiskia verlegen, und den übermüthigen Feind, ״dessen Haupt der Herr zerschmettert"

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