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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 5 · p. Seite 193

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 5
Article
Ein Erklärungsversuch des achtundsechzigsten Psalms
Date
1855-01-01
Page
Seite 193 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Wissenschaftliche Aufsätze. 193 Ein Erklärungsversuch des achtundsechzigsten Psalms. Von vr. W. Fcilchenfeld. ch Ungeachtet der mehr als siebzig Erklärungen, welche.non diesem mit Recht für einen der schwierigsten geltenden Psalm vorhanden sein sollen, wird wohl ein erneuter Erklärungsversuch desselben noch keiner Entschuldigung bedürfen. Andernfalls könnten wir auf zwei bedeutende Kenner hebräischer Sprache und Geschichte, Ewald und De Wette, verweisen, von denen Ersterer dem achtundsechzigsten Psalm jede Originalität absprech.cn zu müssen glaubt. Letzterer die einzelnen Theile desselben für ziemlich locker zusammenhängend erklärt und darum auch. die ihn: zu Grunde liegenden Motive nicht anzugeben vermag. — Es wird diesen Behauptungen gegenüber die Ausgabe der nachfolgenden Bearbeitung sein, den Beweis, zü liefern, daß wenige Psalmen durch Reichthum an originellen Bildern eine dem vorliegenden Hymnus gleiche Energie und Frische der Empfindung bekunden, daß seine einzelnen Strophen mit Rothwendigkeit nicht etwa zusammengereiht seien, sondern einander erzeugen, und daß der historische Hintergrund desselben an mehreren Stellen deutlich genug hervortrcte, um alle seine individuellen Züge in das rechte Licht zu setzen. — Zur Feststellung des geschichtlichen Bodens, aus welchen sich die einzelnen darin enthaltenen Lobpreisungen, Wünsche und Hoffnungen beziehen, heben wir zunächst folgende Daten als maßgebend hervor: Daß der^Psalm einen Sieg Israels über einen mächtigen äußeren Feind verherrliche, leuchtet aus allen seinen Thcilen und namentlich aus V. 2—4, 22—24 1t. 29 hervor. ־ Aber dieser Sieg war, gleich dem Eroberungszuge Israels ans Egypten in das gelobte Land, nicht Menschenwerk, sondern ״der Herr allein hat für sein Volk gekämpft und die Erretteten staunten ob der Wunder ihres Gottes" (Exod. 14, 14). Dies dürfte sich nicht sowohl aus dem auch sonst wiederkehrcuden Rückblicke auf jenen natürlichen Mittelpunkt des israelitischen Nationalbewußtseins ergeben, als vielmehr aus dem Umstande, daß hier, unähnlich anderen Siegeshymnen (vergl. im Siegesliede der D.cborah Nicht. 5, 11—15; Ps. 2, 9; Ps. 18, 35—40; Ps. 20, 9; Ps. 149, 6—9 11. dgl.) der menschlichen, von dem Herrn nur unterstützten Wirksamkeit gar keine Erwähnung geschieht, vielmehr (V. 22 u. 29) der Sieg ״diesmal" Gott allein zugeschrieben wird. Dieser Sieg hat Israel aus großer Noth errettet und gefangenen Israeliten Gelegenheit geboten, in die Heimath zurückzukehren (V. 6, 7, 21, 23), aber der übermüthige, an Silberschätzen reiche und eroberungssüchtige Feind ist noch zu Frankel, Monatsschrift. IV. 5. lg

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