Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Hagadische Elemente bei den Kirchenvätern
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 4)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aussätze. 189 34) Die dunkle Stelle desselben Propheten: ״ich vertilgte die drei Hirten in einem Monate", deutet die rccipirte Hagada von Miriam, Ahron und Mose (Taanit 6 a): ואכחיד שלשת הרועים בידח אחד וכי בירח אחד טחו והלא מרים מתה בניסן ואהרן באב ומשה באדר אלא וכוי. Merkwürdig ist cs, daß Hieronymus die kirchliche Deutung dieses Vers S von dem Verschwinden der drei Stände, der Priester, Propheten und Könige, nach Jesu Erscheinung, oder von der Vernichtung der christlichen Häretiarchen verwirft und sich für die hagadische Interpretation erklärt. N.obis tres pastores qui in uno mense succisi sunt, Moyses videtur et Aaron et Maria, quorum Maria in mense primo qui vocatur ניסן mortua est in deserto. Sin et in eodem loco Moyses et Aaron condemnati sunt, ne terram repromissionis intrarent (ad 11, 8). Es ergibt sich daraus, daß diese Deutung zu Hieronymus Zeit, d. h. in dem letzten Jahrhundert der talmudischcn Periode, die herrschende gewesen, daß also die andere Deutung) welche im Jalkut (579) durch die Formel רבד אחד introducirt wird, von dem Tode Rabbi's, Antoninus' und Artabans' in einem und demselben Monate (זה רבינו ואנטונינום וקרבן [וארטבן] שמחו בידח אחד), nachtalmudisch sein muß (?) und also keinen quellenmäßigen Werth hat. Herr Rapoport hat zuviel Gewicht auf diese Hagada gelegt und daraus ein chronologisches Moment für die Antoninussrage ableiten wollen. Sie gehört offenbar der harmonistischen Hagada an. 35) Die talmudische Tradition von den vier vom Propheten Zacharias behandelte» Fasttagen imponirte unserm sonst mäkelnden Kirchen- Vater so sehr, daß er eingestand, es sei doch besser aus der Quelle (der jüdisch-traditionellen Auslegung) als aus beit kleinen Bächen der kirchlichen zu schöpfen: Cogimur igitur ad Hebraeos recurrere et sententiae veritatem de tonte magis quam de ri־vulis quaerere. Wir werden weiter sehen, daß diese Interpretation durch Hieronymus' Vcrmittlnng in die Kirche Eingang gefunden hat. Belehrend ist die hieronymische Parallele, die wegen ihres Interesses in extenso zu geben ich mich nicht scheue, besonders deswegen, weil daraus hervorgeht, daß zu seiner Zeit die Erklärung von Simon b. Jochai von dem Fasttag des zehnten Monats recipirt war, und N. Akibä's Deutung erst später gangbar geworden sein muß. N. Akiba deutet nämlich den ״Fasttag des Zehnten" vom zehnten Debet, an welchem Nebukadnezar die Belagerung.Jerusalems begonnen hat: צום העשירי זה עשרה בטבת שבו סמך מלך בבל וכוי, während R. Simon b. Jochai es von dem fünften Lebet verstanden haben will, an welchem Tage die Nachricht von der Einäscherung Jerusalems die Gola in Trauer versetzt hat: 'אמר ד