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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 5 · p. Seite 184

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 5
Article
Aus den Vereinigten Staaten
Date
1855-01-01
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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184■ Aus den Vereinigten Staaten. diesen Artikel zeigte, keck versichern konnte, es gäbe weder in der Kammer noch un deutschen Adel solche Namen. Wie ganz anders tönte mir Schlemihl ans dem fernen Vaterlande! — Chamisso's Name klingt freilich auch nicht deutsch; von Geburt war er ja auch kein Deutscher; deshalb wahrscheinlich verschmähete der hochadliche und edle Mann es nicht, den jüdisch-deutschen Schlemihl anzunehmen. Chamisso und Schlemihl sind in America fast eben so bekannt wie Humboldt. — Dem Geiste und Gemüthe nach, die Schlemihl'S Zeilen dnrchweheten, hätte ich wohl glauben können, der wahrhafte Schlemihl sei mit seinen Sieben «Meilen-Stiefeln auch nach Newport gekommen; es war mir aber zu gut in der Erinnerung, wie ich den hochverehrten Mann in den dreißiger Jahren im Bade zu Reinerz gesehen, und nicht lange darauf mit wahrem Schmerz sein Ableben aus den Zeitungen erfahren hatte. Aber auch seines americanischen Doppelgängers braucht Schlemihl sich nicht zu schämen: ich habe den Mann — es war der vorerwähnte Preacher —־ kennen und hochachten gelernt. Nicht einmal seinen Schatten hatte er verloren; leider aber war er in Gefahr sein Licht — das Licht seiner Augen zu verlieren; um so klarer brannte das seiner Seele. — Der strengen Wahrheit getreu muß ich jedoch auch einige Inschriften erwähnen, die weniger Menschenliebe, dafür aber mehr Bekehrungssucht aussprachen. Die eine war ״ein wahrer Israelit und Messiasgläubiger" unterschrieben; der Name schien einem deutsch-jüdischen Missionär anzugehören. Ueberhaupt ist der Americaner, besonders der Uankee — die Bewohner Neuenglands, wozu Rhodeisland gehört, werden so genannt — sehr bekehrungssüchtig; auf politischem und socialem Gebiete mindestens eben so wie auf religiösem. Doch gibt es in den Vereinigten Staaten von Nordamerica keine 'herrschende Kirche, daher auch keine Intoleranz, nur Bekehrungsfucht. Wenn auch mancher Einzelne unduldsam sein will, so hat ja der Andere, dem der Staat dieselben Rechte gewährt, danach nicht zu fragen: er spricht sich unbefangen und ohne Scheu aus, damit wird jede Intoleranz gleich im Keime erstickt. . Dieses wurde mir durch folgenden Vorfall klar und zur Gewißhest. \ Eine Mrs. Brown aus Boston, eine alternde Dame, die in Newport stark nach Frömmelei riechende Vorträge über die Besserung

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