Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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179 Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. Lehre ganz erfasse (Beresch. rab. 69). — Gespräche mit Proselyten zum Zwecke der Belehrung finden sich überhaupt nicht selten. Es ist schon oben (S. 173) die höchst bedeutende Ant- Wort Hillels an einen Fremden über den Inhalt der Lehre angeführt worden. Fügen wir hier noch Folgendes hinzu. Ein Heide kam zu Hillel mit der Mittheilung, er wolle wohl Proselyt werden, nur müsse er die Hohepriesterstelle erlangen. Von Schammai war er sortgetrieben worden, Hillel aber antwortete ihm: Man macht wohl Niemanden zum König, der nicht vorerst mit den Eigenthümlichkeiten der Königswürde bekannt ist; wohlan, so lerne vorerst das Eigenthümliche der Hohepriesterwürde. Jener ging und sing an die Schrift zu lesen; da fand er: ״der Fremde der sich nährt soll des Todes sein" (4. B. M. 1, 51). Da kam er wieder zu Hillel und fragte ihn: Welcher Fremde ist hier gemeint? Hillel antwortete, selbst der König von Israel, so er nicht vom Stamme Aarons ist. Wie, sprach nun Jener, selbst der Israelit kann nicht Hohe- Priester werden, und ich, ein nicht in diesem Volke Geborner, stelle ein solches Verlangen! — Die Proselytin Veturia fragte R. Gamaliel:. Es heißt in der Lehre ״er wendet nicht das Angesicht zü (ist nicht nachsichtig) und nimmt nicht Bestechung" (5. B. M. 10, 17), diesem widerspricht aber eine andere Stelle ״der Ewige wird dir sein Angesicht zuwenden" (4. B. M. 6, 26). R. Jose Haccohen, der ebenfalls zugegen war, erzählte ihr folgendes Gleichnis. Jemand hatte von einem Bekannten eine Summe erborgt und ihm beim Leben des Königs geschworen, er werde sie zu einer gewissen Zeit zurückgeben. Die Zeit kam und er hielt nicht Wort; die Angelegenheit wurde dem König hinterbracht und der Schuldige eilte hin um vom König Gnade zu erflehen2). Dieser sagte ihm: das Vergehen gegen mich will ich Wohl vergeben; doch was du mit deinem Gläubiger hast ist seine Sache, nicht die meinige, ihm thue genug. So erklären sich auch die beiden Schriftstellen. Der Ewige wendet sein Angesicht zu, ist nachsichtig, bei Sünden die gegen ihn begangen werden; er ist aber unnachsichtig bei Sünden gegen den Menschen, hier soll man sich nicht an Gott sondern an den beleidigten Nebenmenschen wenden (Rosch haschana 17). 2) Der Schwur beim Leben des Kaisers 'Vita Imxsratorm war heilig, und seine Verletzung ein Majestätsverbrechen. i4*