Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 20)
- Language
- German
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180 Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. Wenden wir uns nun zu einem Manne, dessen Name als Stern erster Größe am Horizont der jüd. Gelehrsamkeit die Bewunderung der Mit- und Nachwelt auf sich zog. R. Akiba, der mit freudiger Glaubenstreue den Märtyrertod erlitt, wurde von seinem Henker Turnus Rufus auch mit Religionsfragen gequält. Welche Auszeichnung hat euer Sabbattag vor anderen Tagen, fragte er ihn. R. Akiba soll ihn nach der Anschauung jener Zeit auf den Fluß Sambation hingewiesen haben, der durch die ganze Woche heftig einherbraust und am Sabbat ruhet^). Warum ruhet nicht auch euer Gott an diesem Tage? Er sollte nicht an ihm den Wind wehen, den Regen herabsallen lassen ff. Die Antwort war inhaltlich folgende: Gott ist der Herr der Welt, sie ist sein Haus; das Walten und Fürsorgen für sie ist ihm nicht Arbeit sondern nach seiner Macht und Allgüte ruhevolle Freude (Bereschit rab. c. 11). — Wenn euer Gott die.Armen liebt, warum ernährt er sie nicht selbst, fragte Rufus. Daß die Reichen Gelegenheit finden, sich durch Wohlthun von mancher jenseitigen Strafe zu befreien, war die Antwort R. Miba's. Von Strafe? Diese werden sie sich erst im Gegentheile hierdurch zuziehen, bemerkte Rufus. Denke, ein König zürnt seinem Knechte und sperrt ihn ein und' entziehet ihm Speise und Trank; wird es ihm gefallen, wenn ein Anderer dem Knechte Speise reicht? Setze dafür, erwiderte R. Akiba, ein König zürnt seinem Sohne, er sperrt ihn ein und entziehet ihm Speise und Trank, und ein Anderer reicht dem Sohne Speise: wird er da zürnen, wird er nicht vielmehr Jenem gewogen sein? Und wir heißen Kinder zu Gott! (Baba batra 9). — Bemerken wir auch eine Antwort, die R. Akiba auf folgende Frage ertheilte, die ein gewisser Sonun an ihn richtete. Ich und du, sprach dieser, wissen wohl daß an den Götzen nichts ist; aber wie kommt es, daß Mancher krank nach einem gewissen Tempel hingehet und genesen zurückkehrt? R. Akiba erklärte ihm in einem Gleichnisse, die Schmerzen sind Abgeordnete von oben und haben den Auftrag, bis zu einem gewissen Zeitpunt zu verbleiben und dann zurückzukehren. Ist nun dieser Zeitpunkt abgelaufen, sollen sie etwa verbleiben weil dieser Thor irrsinnig verfährt? (Aboda sara 55). Es wird 3) Uekt Sambation, den man für einen der beiden in den Tigris sich ergießenden Zab hält, verbreitet sich die jüd. und nichtjüd. Literatur.