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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 5 · p. Seite 177

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 5
Article
Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
Date
1855-01-01
Page
Seite 177 (sequence 17)
Language
German
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177 Zur Geschichte der jüdischen Aeligionsgespräche. von denen eine als überführend anerkannt wurde: Es heißt ״das Land das der Ewige euern Vätern geschworen ihnen zu geben" (5. B. M. 11, 21), die Väter also, als fortlebend, empfangen die Gabe 2). Eine nicht minder schwere Aufgabe war dem Schüler des R. JochanaN ben Saccai und R. Gamaliels Zeitgenossen, R. Josua ben Chanaja beschieden, zwar nicht so umfangreich wie die des R. Gamaliel; die Controverse wickelte sich zwischen ihm und nur einem Gegner ab, aber dMer Gegner war der römische Kaiser Hadrian. Hadrian gel/örte zu jenen Schöngeistern, denen das Wissen nicht der Weg zur innern Erhebung und Veredelung ist, sondern um auf alle Positiven Ergebnisse mit Stolz und Verachtung herabzublicken, und die mit eisiger materieller Kruste um das jedem höhern Gefühle abgestorbene Herz die Menschheit mit Allem was ihr heilig zum Gegenstände des Spottes und des Angriffes machen. Fügen wir noch den despotischen Grundzug hinzu, der mit seltener Ausnahme die römischen Kaiser charakterisirt, so ergibt sich ein vollständiges Bild des Tyrannen, wie er nach dem Aufstand der Juden unter Bachkochba mit kaltherzig berechneter Mordgier die Besiegten vollständig vernichten und in dem Untergang der Lehre und der Lehrer den Untergang des Volkes herbeiführen will; und es wird zugleich das vollkommenste Verständniß für die Gespräche geboten, die er, bevor sein Zorn gereizt war und er es sogar gerathen fand sich den Juden freundlich zu zeigen, mit R. Josua hielt. Ihr Typus ist Spott; und sind sie auch nicht authentisch verbürgt^, so tragen sie doch ganz das Gepräge der Fragen, wie sie im Munde eines Hadrian zu erwarten sind und lassen schließen, daß Besprechungen zwischen ihm und R. Josua stattgefunden. So sagte einst Hadrian zu R. Josua: Ich bin auf Grund euerer eigenen Schriften größer als euer Lehrer Moses; denn es heißt ״besser ein lebender Hund denn ein todter Löwe" (Kohelet 9, 4). R. Josua antwortete hieraus: Vermagst du zu bewerkstelligen, daß man durch drei Tage nicht Feuer anmache? Warum nicht, antwortete jener, und ließ ein 8) Wie dieser Beweis den controversirenden christlichen Gegnern gegenüber Gültigkeit hatte vgl. 1. Jahrg. Landau, Bilder aus dem Leben ff. S. 33l. 9) Sie werden nicht Ln Mischna und Beraita sondern nur im Midrasch angeführt. Frankel, Monatsschrift. lV. S. 14

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