Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 15)
- Language
- German
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175 Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. und bis in die spätesten Jahrhunderte sich hinabziehenden Mystik stehen, die geheimnißvolle Deutung und Umdeutung des Gedankend wie des Lebens sucht; und heben wir zugleich im Allgemeinen hervor, daß, so wie die Auffassungsweise der Nabbinen sich von dem Mysteriösen, Allegorischen fernhält'), ebenso drückt sich in den von ihnen referirten Gesprächen eine gewisse Frische und Unbefangenheit aus, die durch ihr Einfaches, Schlagendes gewinnt: es wird nicht aus philosophische Prämissen und überkommene allmälig den schlichten Verstand verdrängende Formeln eingegangen, das treffende Wort und Gleichnis soll Ausweg und Widerlegung zeigen. — Führen wir noch manche schlagende Entgegnungen des R. Gamaliel an. 9t. Gamal, hatte gebadet in dem Bade der Aphrodite zu Acco. Da fragte ihn ein Philosoph Proclus (nicht zu verwechseln mit dem bekannten Neuplatoniker Proclus, dieser lebte im 5. Jahrh. der übl. Zeitr.): Es heißt in euerer Lehre ״es sott in deiner Hand nichts sein von dem verbannten Gute" (du darfst von dem was dem Götzen gehört nichts für dich benützen) und Du badest im Bade der Aphrodite! Worauf Jener: ich kam nicht in ihr Bereich, sie kam in mein Bereich; das Bad ist nicht der Aphrodite geweihet sondern die Aphrodite dein Bade; dieses war früher errichtet und später erst wurde das Wild der Aphrodite ausgestellt. Ferner: vor dem Bilde einer von dir in Ehren gehaltenen Gottheit wirst du dichnicht nackt hinstellen, deine Nothdurft verrichten ff; dieses Alles geschiehet vor dieser bei den Baderöhren stehenden Aphrodite: nun heißt es ״du sollst verabscheuen ihre Götter", wenn sie sie als Götter behandeln, aber nicht wenn sie sie selbst der Verachtung preisgeben (Aboda sara 44). — Diese Repliken kleiden sich auch mitunter je. nach dem Gehalt der Frage in ein scherzhaftes Gewand. Jemand sagte zu 9t. Gamaliel: Ihr behauptet, daß wo je eine Gemeinde von zehn Personen beisammen sei auch die Gottheit unter ihr ist: wie viele Gottheiten muß es da geben! Da rief R. Gamaliel den Diener des Fragenden und versetzte ihm einen Schlag mit den Worten: warum hast du die Sonne in dieses Zimmer hereinscheinen lassen? Dieser antwortete, die Sonne wirft doch ihre Strahlen allenthalben hin, und daher 7) Vgl. Mein Programm lieber paläst. und alexandr. Schriftforschung S. 3. 22 ff.