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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 5 · p. Seite 173

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 5
Article
Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
Date
1855-01-01
Page
Seite 173 (sequence 13)
Language
German
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173 Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. Verlangen gestellt hatte, war er hart zurückgewiesen worden; Hillel aber sagte zu ihm: Was Du nicht willst daß Dir geschehe, das thue einem Andern nichts Dieses ist der Hauptinhalt der Lehre, das Andere magst Du später erfassen (Schabbat 31). — Wenden wir uns zu 91. Gamaliel, so zeigt von seiner innigen Vertrautheit mit den Wissenschaften schon der Umstand, daß er den eintretenden Neumond nach einer Art Mondtafeln berechnete (Nosch haschana 24). Folgendes Gespräch zeigt ihn auch mit griechischen Anschauungen bekannt. Ein Philosoph sagte zu ihm: Euer Gott ist zwar ein geschickter Bildner, aber er fand entsprechende Materialien vor: Tohu und Bohu (Chaos), Wind, Wasser und Abgrund. (In den ersten Versen des 1. B. M., wo diese Gegenstände erwähnt werden, wird nichts von ihrer Erschaffung gesagt. Diese existirten also von jeher.) R. Gamaliel wies ihm aus Schriftstellen nach, daß von allen diesen Gegenständen Gott als der Schöpfer ausgesagt werdL Sein Beweis über Tohu zeigt von tiefer Philosophischer Auffassung"). Eine bedeutsame Controverse hatte 91. Gamaliel zu Rom. Eine Deputation mehrerer (vier) von Palästina nach Rom gesandten Gelehrten, an deren Spihe 91. Gamaliel stand, wurde von Philosophen befragt: Wenn euer Gott die Gottheiten (Götzen) nicht will, warum vernichtet er sie nicht? Sie antworteten, wenn nur jene Gegenstand der Anbetung wären, die keinen Nutzen gewähren, so würde er sie vernichten; aber es werden Sonne, Mond und Sterne angebetet, soll er sie wegen der Thoren die sie anbeten vernichten? So möge er denn, wendeten jene ein, die nützlichen angebeteten Gegenstände lassen und die unnützen vernichten. Dieses wäre, war die Antwort, die Sonneu. s. w. Anbeter in ihrem Wahne bestärken, sie 6) Der fragende Philosoph verstand unter Tohu die «peopepo? 0X7>, die gestaltlose llrmaterie; die Welt also nicht aus Nichts erschaffen, Gott ist nur der Bildner der Materie: die Lehre Platons. Die {iX-q ist aber das Träge, das der Form Widerstrebende, an sich Böse; und hieraus ist nach der alten Philosophischen Anschauung der sich allenthalben kundthuende Dualismus des Guten und Bösen ff. zu erllären. R. Gamaliel verwies daher scharfsinnig auf Jes. 45, 7 ובזרא רע: wenn er das Bose erschaffen, so ging offenbar die 0'Xy), das 1בהי «in, aus seiner Hand hervor. — Es ist übrigens hieraus zu ersehen, daß die Lehre der Schöpfung auS Nichts, יש מאץ, schon von den alten Rabbinen, und nicht wie Burnctt meint, erst durch die Kabbala gelehrt wurde. Vgl. lieber den Einfluß ff. S. 38.

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