Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 11)
- Language
- German
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Zur Geschichte der jtidischcn Ncligionsgcspräche. 171׳ Gegenstand berührende interessante Controverse berichtet. Die Sadducäer hatten ein geschriebenes Strafgesetzbuch, in welchem die verschiedenartigen Todesstrafen für Verbrechen — es gab mehrere Arten der Hinrichtung, Steinigung, durch das Schwert ff. — ausgezeichnet waren. Die Gelehrten fragten sie, woher sie denn wüßten, daß auf dieses Verbrechen Steinigung, aus jenes Schwert ff. komme. (Die Schrift spricht nämlich an vielen Stellen sich nicht über die Weise der Hinrichtung aus). — Die Saddueüer behaupteten ferner, die Vorschrift Auge für Auge, Zahn für Zahn ff. sei buchstäblich zu nehmen. Die Gelehrten bewiesen aus Schriftstellen, daß eine Erklärung statthaft und Stellen wie ״Auge für Auge" der Interpretation anheim gegeben seien." Wann diese Controverse stattgefunden, wird nicht angegeben; doch dürfte, nach einer Stelle das. c. 10 zu schließen, die Zeit des Simon ben Schetach hierfür anzusetzen sein, des Restaurators des Synhedrin und des Criminalrechts, der unter Alexander Jannai (2. Jahrh. vor der üblichen Zeitr.) lebte4). — Auch über Fortdauer nach dem Tode wird eine Controverse angeführt, die zwischen einem Sadducäer und dem oben gedachten Gebiha ben Pesisa stattgefunden. ״Ihr sagt die Todten leben wieder auf, warf der Sadducäer ein, die Lebenden sterben und die Verstorbenen sollten wieder leben? Und ihr behauptet die Todten leben nicht auf, antwortete Gebiha, die noch nicht waren leben (der Mensch tritt bei seiner Geburt aus dem Nichtsein ins Sein), werden nicht jene leben die schon waren?" Auch über dieses Gespräch kann eine bestimmte Zeit nicht angegeben werden. Unter 9t. Jochanan ben Saccai treten die Eontroversen mit den Sadducäern über mehr oder minder wichtige Gegenstände häufiger hervor. Der Sadducäismus neigte sich, da er in sich kein belebendes Element hatte und bei seiner trockenen Auffassung dem, in den damaligen hereinbrechenden großen Leiden so sehr nach Innerlichem, Erhebendem schmachtenden Geist und Gemüth nichts zu bieten vermochte, um diese Zeit seinem Ende zu; die Gespräche mit 9t. Jochanan ben Saccai bilden gleichsam das letzte Aufflackern: wo der Name Sadducäer (צדוקי) später erscheint, ist er gröstentheils Benennung für 4) Daß das Gesetz ״Auge für Auge" nicht als wirkliche Tatton zu nehmen sei, ist jedenfalls eine alte Lehrst der Peruschim (Pharisäer).