Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
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166 Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. ausgebrochen. Die Juden behaupteten der jerusalemische Tenrpet sei der allein nach der Vorschrift Mosis erbauete rechtmäßige Tempel, die Samaritaner traten mit derselben Behauptung für den von ihren Vorfahren unter Alexander auf Gerisim erbaueten Tempel in die Schranken. Der Streit kam bis vor den König, beide Parteien ersuchten ihn, die gegenseitigen Gründe durch Wortführer der beiden Parteien anzuhören und über sie zu entscheiden; die unterliegenden Wortführer sollten mit dem Tode bestraft werden. Für die Samaritaner nahmen Sabbäus und TheodosiuS das Wort; für die Jerusalemiter und die Juden zu Alexandrien Andronicus, Sohn des Mesfalam. Andronicus führte seinen Beweis aus der Schrift, aus der Aufeinanderfolge der Hohepriester, von denen stets der Sohn an die Stelle des Vaters trat, endlich daß alle Könige Asiens den Tempel zu Jerusalem stets durch Gaben und Weihgeschenke hochgehalten, während der zu Gerisim gleichsam als nicht existirend nie erwähnt und von Niemanden berücksichtigt wurde. Andronicus brachte noch andere Gründe vor; der König erklärte hierauf den jerusalemischen Tempel für den rechtmäßigen, und es wurde das Todesurtheil an den samaritanischen Wortführern vollzogen." Ziehet man das Sagenhafte von diesem Berichte ab, so scheint er eine Bestätigung durch das alte Buch Megillat Taanit zu erhalten, in welchem epigraphisch angegeben wird: ״Der ein und zwanzigste Tag des Monats Kislew ist der Tag des Berges Gerisim, an ihm ist nicht zu trauern"^). Nur dürfte 4) Das Buch Megillat,Taanit enthält die Aufzählung der Tage, die zum Andenken an ihnen sich ereignete tröstliche Nationalbegebenheiten als Halbfeste eingesetzt wurden. Ls zerfällt nach den zwölf Monaten des Jahres in zwölf Kapitel (Perakim). Dieses Buch ist alt und wird schon in der Mischna (Taanit 1, 8) besprochen. Es bestand ursprünglich blos aus in aramäischer Sprache geschriebenen Epigraphen, die den Tag, ferner in ganz kurzen — gewöhnlich zwei oder drei — Worten die Begebenheiten angeben, endlich mit den Worten schließen: ״nicht zu fasten" — .דלא לד;חעבאר — oder ״nicht zu trauern" — דלא למספד — (Letzteres bezeichnet einen höhern Grad der Feier, vgl. obige Mischna). In dem heutigen Megillat Taanit findet sich bei manchen Lagen weder .דלא להחענאד noch דלא למספד, bei anderen דלא למספד, aber nie ,דלא להתענאד: es ist also Manches ausgefallen. (C. 9 בא׳ ביר. יום טוב und c. 11 בשנים בי׳ יו״ט fehlt sogar die Veranlassung; vergleicht man die Erklärung zu beiden Stellen, so scheint daß man wegen der herrschenden Königshäuser nicht wagte die Veranlassung zu schreiben.) Hingegen finden sich in dem heutigen Megillat Taanit Erklärungen zu diesen Epigraphen, die notorisch