Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 5)
- Language
- German
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Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. 165 Nationalität, "die überhaupt im Alterthum je der andern so schroff gegenüberstand, daß ״Feind" in früher Zeit die Denennung für Fremder war. Hinsichtlich der Juden gesellte sich zu diesem Nationalhaß Verachtung: nach der alten Ansicht wurde ein Volk nach dem Derhältniß seiner Macht geschätzt, und der gefeierte Redner Roms ergoß sich in die spöttische Bemerkung, es sei an dem Schicksale dieses Volkes wahrzunehmen, wie theuer es den Göttern sei'). Aber selbst mit Feindseligkeit gegen die Juden erfüllte Geschichtschreiber erkannten unwillkürlich, daß die Juden einen unsichtbaren Gott anbeten, und unparteiische von Haß nicht verblendete Autoren sprachen mit Hochachtung von der Gotteslehre der Juden׳). — Religionsgespräche in dem Sinne, die Vortrefflichkeit einer Religion vor der andern hervorzuheben, lagen nach dem bisher Erwähnten dem Heidenthume zu fern, als daß sie mit Juden eingegangen worden wären. Nur Besprechungen unter gebildeten Männern konnten stattfinden 1 2 3), besonders in dem vorchristl. und ersten christlichen Jahrhundert, wo die alten philosophischen Schulen sich überlebt hatten und in ihrer Zersplitterung nach einem Anhalte umherblickten, an dem das Forschen über die höchsten Wahrheiten sich aufrichten könnte. In dieser Zeit des Suchend und Auswählend (Eklekticismus) um ein neues System zusammenzufügen, mußte das Judenthum dem Forschen einen reichen Stoff bieten: man suchte also Auskunft über seine Lehren und so fand ein Austausch der Ideen statt. Nur ein Religionsgespräch, in welchem es sich um Erhaltung handelte, wird aus der vorchristlichen Zeit angeführt, und auch hier galt es nicht dem Kampfe zwischen Juden- und Heidenthum, 'sondern zwischen zweien innerhalb des Judenthums stehenden Parteien. Der Hergang war nach Josephus (Alterthüm. 13. 3.4) folgender. ״Zur Zeit des Ptolemäus Philometor — 180 bis 146 vor der übl. Zeitr. — war zwischen den zu Alexandrien wohnenden Juden und Samaritanern ein heftiger Zwist, über die Heiligkeit der Tempel zu Jerusalem und auf dem Berge Geristm 1) Vgl. vor. Jahrg. S. 402. 2) Vgl. 1. Jahrg. S. 55. 56. 3) Nach Josephus ״Gegen Apion 1, 22" dürste schon Aristoteles mit einem Juden eine Besprechung über Religionsgegenstände gehabt haben. Vgl. I. Jahrg. S. 46.