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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 5 · p. Seite 164

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 5
Article
Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
Date
1855-01-01
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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164 Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. bedingt: welche wesentliche Verschiedenheit konnte sich in den verschiedenen Mythologien finden, die sich doch immer auf dasselbe Princip, Erhebung des Sinnlichen zum Göttlichen, zurückbezogen? Nur die Differenz der Benennungen oder der Anzahl der Gottheiten hielt die verschiedenen Culte auseinander: in dem Grundgedanken herrschte allgemeine Uebereinstimmung. Gegen das Judenthum allein mochte Unduldsamkeit erwachen: in ihm bildete Anfang und Ende der Gegensatz Gottes zur Natur, Gott stehet über der Natur, ihre Kräfte sind seine Werke. Doch kam diese, erst dem tiefem Eingehen sich aufdringende Wahrnehmung der unausfüllbaren Differenz zwischen dem Mono- und Polytheismus, dem großen Haufen schwerlich zur Erkenntniß und konnte hieraus ein Religionshaß sich nicht entwickeln. Wohl aber war ein Nationalhaß rege, der die Juden nicht sowohl wegen ihrer Sitten als wegen der in ihrem Begriffe der Gottheit begründeten Sittlichkeit traf. Der von halbphilosophischen Philanthropen des vorigen Jahr- Hunderts mit Liebe gehegte Gedanke, daß wie immer die Gottheit benannt werde ״ob mit dem unaussprechbaren Namen, oder Brama, oder Jupiter, oder der große Geist" ihr Anerkennung gezollt sei, stellt sich in unserer Zeit dem Denker als oberflächlich dar: in der Anerkennung des einen überweltlichen Gottes liegt das Vekenntniß, daß der Mensch sich zu Gott erheben, daher das in seiner Menschennatur waltende Sinnliche sich unterthänig machen soll; jenes andere Anerkennen und Benennen hat das Sinnliche zur Unterlage, und während dort Sittlichkeit den wahren Cultus macht, drückt er sich hier in Unsittlichkeit aus. Ein Blick äuffdie Götterverehrung der alten Zeiten gibt hierüber einen Aufschluß, den auch nur in Worten darzustellen unser heutiges Sittlichkeitsgefühl sich sträubt, und selbst der Velusdienst mit seinem nächtlichen Eintritt einer Jungfrau in den Tempel verschwindet vor manchem zur Schau gestellten religiösen Abzeichen der Unkeuschheit. Erweckte nun solcher Cultus einen tiefen Abscheu im Juden, so zogen ihm seine auf ganz andere Mottesverehrung gegründeten Lebensgewohnheiten reichen Haß zu, und es treten im Alterthum merkliche Spuren dieser Anfeindung hervor. Doch zu einer Religionsverfolgung kam es mit alleiniger Ausnahme zur Zeit des Antiochus Epiphanes— bei der aber auch ein politisches Motiv mitgewaltet zu Haben scheint— nicht; der Haß lag gröstentheils in der

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