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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 5 · p. Seite 163

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 5
Article
Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
Date
1855-01-01
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. 163 sprechungen unterdrückten hat nichts Befremdendes. Der Jude war überhaupt rechtlos, und fast lag in diesen Besprechungen eine Vergünstigung, ein Zugeständnis gegenüber den Predigten der Dominicanermönche u. A., die ohne eine Einrede zu gestatten, die Juden und ihre Lehren mit wildem aufreizenden Eifer verdammten und die Gemüther zum glühendsten Haß gegen sie entzündeten. Diese Religionsgespräche waren aber auch eine natürliche Folge des verschrobenen Rechtsbegriffes jener Zeit, die Freiheit des Willens von Zwang so wenig unterschied, daß sie auf das durch Tortur und Folter erpreßte Geständniß nicht minderes Gewicht wie auf das freiwillige legte. Gehören nun diese Religionskämpfe der Vergangenheit an, erscheinen sic nur als trübe Phänomene an einem nächtlich grauen Himmel, dessen düsteres Gewölle der freundliche Morgen einer humanern Zeit schon lange zerstreuet, so gewahrt das Zurückgehen aus sie ein um so mehr spannendes historisches Interesse. Vor Allem ist zu bemerken, daß das Jndenthum nur Waffen der Abwehr anwendete: zum Kampfe in die Schranken gerufen mußte es sich vertheidigen, konnte nur vom Schilde nicht von Speer und Lanze Gebrauch machen. Die Besichtigung dieser Waffen wird für manche an sie sich knüpfende bittere Erinnerung entschädigen; nicht daß gekämpft sondern wie gekämpft wurde, welche Mittel zur Abwehr und zum Widerstand die in die Schranken geforderte Religion in Bereitschaff hatte und mit welcher Kraft sie dem Angriffe entgegentrat, ist das eigentliche in diesen Begebenheiten lebende Moment. Wir wollen uns daher auch nicht auf die bedroheuden Religionsgespräche des Mittelalters beschränken: dem in derartigen Kämpfen sich manifestirenden geistigen Zuge folgend gehen wir zu einer noch frühern Zeit zurück, wo diese Besprechungen eine freundlichere Gestalt haben, nicht auf dem Forum der Oeffentlrchkeit vor der zugaffenden fanatisirten Menge stattfinden, sondern mehr dem friedlichen Gedankenaustausch angehören. Zur bessern UebersichtlichkeA führen wir diese Gespräche auf drei Zeitabschnitte zurück: die Zeit des Heidenthums, die Zeit des frühern Christenthumd, das Mittelalter. Die Zeit des Heidenthums. Im Polytheismus, der Vergötterung der Naturkräfte, ist eigentlich religiöse Duldung 13*

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