Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Rabbi Meir
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 5)
- Language
- German
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Rabbi Mei'r. 129 beweisende Liebe (Abot 6,-1). Diese Ansicht von der Bedentung des Gesetzesstudiums für das Leben in Verbindung mit dem Gebote der Nächstenliebe erzeugt naturgemäß die Verpflichtung, das Gesetz nach Kräften auch Andern mitzutheilen. Wirklich lautet ein Satz Mei'r's: Wer Thora lernt) ohne sie weiter zu lehren, der ist ein Verächter des göttlichen Wortes (Synhedr. 69). Die Methode, die er für den Unterricht darin vorschreibt, ist Kürze und Präcision der Ausdrucksweise (Pesachim 3 b). lieber das Verhalten zu dem Inhalte der Gotteslehre spricht er einen Satz aus, der an den Sokratischen Satz von der Einheit aller Tugenden erinnert. Wer sich gegen einen Theil der Gotteslehre negirend verhält, verhält sich negirend auch gegen alle übrigen Theile. Unbeschadet jedoch dieser Jdealität seiner sittlichen Principien, welche, negativ gewandt, consequenterweise auch die Korfchrift einschließen, dem Erwerb so wenig als nur irgend d8 Verhältnisse es gestatten sich hinzugeben (Abot 4, ■12), ist er dem Handwerke durchaus nicht abgeneigt, wenn es — ein gewiß charakteristischer und von seinem den Zusammenhang der Dinge tief begreifenden Geiste zeugender Zusatz — ein reinliches Handwerk ist. Seine Vorschrift, die Wahl desselben betreffend, lautet: ״Den Mensch lasse seine Kinder ein reinliches und die Körperkraft nicht allzu sehr herausforderndes Handwerk lernen und wende sich im Gebete zu dem, dessen ist der Reichthum und die Besitzthümer, denn es gibt kein Handwerk, das nicht Beides enthielte, den Reichthum und die Armuth. In Wahrheit jedoch kommen beide, Reichthum sowohl als Armuth, nicht vom Geschäfte, sondern Alles geht nach Verdienst" (Kidduschin 82a). Der bei dieser Gelegenheit ausgesprochene Satz, daß Alles nach Verdienst gehe und der darin liegende feste Glaube an das gerechte Walten einer Vorsehung, ein Glaube, dem er auch in den Worten: ״Der Mensch wird mit dem Maße gemessen, mit dem er selbst mißt" und in ähnlichen einen anders gewandten Ausdruck gegeben, ist für ihn zugleich der unerschütterlichste Beweis für die Fortdauer des Menschen nach dem Tode. ״Gott ist ein zuverlässiger Hüter", antwortet er einem ihn über diesen Punkt befragenden Heiden: ״Wir dürfen also nicht fürchten, daß er uns die ihm anvertrauten Pfänder (die Tobten) vorenthalten werde" (Midrasch Kostetet zu Cap. 5. V. 10). Wir fügen hier, da der Glaube an die Unsterblichkeit mit der Ansicht von der Bedeu-